Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 49

einander und mit den benachbarten Völkern und Reichen, und innereBürgerkriege. Die Ersteren hatten zum Zweck, von Seiten Syriens dieEroberung des gesammten Kleinasiens, aller östlichen und sogar derkleinasiatischen und ägyptischen Küstenstriche des mittelländischenMeeres, bisweilen sogar Aegyptens, von Seiten des Lysimachus, undnach ihm der Herrscher und Könige Kleinasiens, und ebenso von SeitenAegyptens nicht nur die Abwehr dieser Eroberungen durch Syrien, son-dern auch die Wegnahme und Unterwerfung von dessen westlichen undsüdwestlichen Provinzen, besonders derer an den Ufern des mittelländi-schen Meeres. Diese letzteren waren von äusserster Wichtigkeit, sowohlfür Syrien, als besonders für Aegypten, weil sie einen Reichthum vonSchifTsbauholz, viele treffliche See- und Handelshäfen, maritime Etablisse-ments und nautische Vorräthe hatten, ihre Bevölkerung aus vorzüglichenSeeleuten bestand, und weil sie deshalb Dem, der sie besass, alle Mittelund Gelegenheiten zur Unterhaltung grosser Flotten, zur Herrschaft aufdem Meere und zur Ausbreitung' des Handelsverkehrs boten, der ohnehinschon sehr bedeutend war, und dessen Hauptcentrum das ägyptischeAlexandria bildete. Namentlich für Aegypten hatte dies grosse Wichtig-keit, dessen Seemacht und Handel durch die Bemühungen der drei erstenPtolemäer (L, IL und HL, Vater,' Sohn und Enkel, von 323221,ganze hundert Jahre hindurch) eine enorme Ausdehnung erfahren hatten.Ptolemäus I. hatte während der vierzig Jahre seiner Regierung sich fastgar nicht in die Kriege eingemischt, welche Macedonien, Griechenlandund Asien zerrütteten, sondern sich nur auf die Vertheidigung vonAegypten selbst beschränkt. Seine Nachfolger aber, besonders Ptole-mäus III. Euergetes (246221), führten vielfach Kriege, nach aussenmeist gegen Syrien um die Herrschaft der Provinzen an der Ostküstedes Mittelmeeres, aus oben angegebenen Gründen, aber auch um ihreHerrschaft in Afrika, Arabien und über die östlichen Inseln des Mittel-meeres auszudehnen. Die Seleuciden nahmen ihrerseits nach der Schlachtbei Ipsus thätigen Antheil an den Kriegen der macedonischen Könige inMacedonien, Griechenland und Kleinasien, später lagen sie im Kampfmit den sich losreissenden Provinzen und griechischen Colonien Klein-asiens, mit den Galliern und hauptsächlich mit Aegypten, in Hochasienaber mit Parthien und Baktrien. Zuletzt aber führte die Einmischungdes syrischen Königs Antiochus III. (224187) in die AngelegenheitenGriechenlands diesen zu einem Kriege mit den Römern.

Es hatten also die von Aegypten geführten Kriege in politischemBetracht weit nützlichere Ziele in Bezug auf ihr Staatswesen als jene,welche Syrien mit Aegypten und in Klein- und Hochasien führte. DieKriege zwischen Syrien und Aegypten standen bezüglich der Küsten desmittelländischen Meeres unter einander in gewissem Zusammenhange,

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,2. 4