48 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
kriegerischen Geistes, der Ordnung und Disciplin in den Truppen undHeeren, — dies Alles zusammen bietet ein äusserst trauriges, düsteresBild dar, nicht von regelmässigen Kriegen und den Kriegsthaten civili-sirter Völker, Staaten und Armeen, sondern von Einfällen von Wildenoder Räuberbanden zu dem Zwecke der Plünderung. Hiernach wird esbegreiflich, wie bei dem ersten Zusammenstoss mit einem so kriegerischenund vorzüglich organisirten Staate, Volke und Heere, wie die Römer,Macedonien und Griechenland leicht und rasch Jenen zur Beute werdenmussten!
B. Kriege im Orient.
Im Orient war das grösste unter all den Reichen, welche aus derMonarchie Alexander's d. Gr. sich gebildet hatten, das Königreich Syrienoder das Reich der Seleuciden, in Asien, gegründet von einem Feld-herrn Alexander's d. Gr., Seleukus, mit dem Beinamen Nikator (301bis 281). Er herrschte über 72 Satrapien, vom Bosporus und Hellespontund der Ostküste des mittelländischen Meeres bis zu den Flüssen Indusund Oxus, und vom schwarzen und kaspischen Meere bis zum indischenOcean. Aber durch die Verlegung der Hauptstadt, Residenz und Regie-rung von Seleucia am Tigris in Hochasien nach Antiochia an der Küstedes mittelländischen Meeres, und dadurch, dass sie ihr Augenmerk undihre Politik nicht nach Osten, sondern nach Westen richteten, hatten dieSeleuciden nicht allein ihr unermessliches Reich nicht zu einem einzigenund dauernden Staate zusammengeschlossen, sondern vielmehr in demgrössten Theile der ihnen unterworfenen Völker das Streben nach Un-abhängigkeit erweckt. In Folge dessen fielen im Laufe der Zeit von demsyrischen Königreiche ab und bildeten abgesonderte selbständige Staaten:in Kleinasien fünf kleinere Reiche, Kappadocien, Pontus, Bithynien,Pergamum und Galatien oder die gallische Tetrarchie, — und in Hoch-asien zwei grössere, Parthien und Baktrien mit Sogdiana. Die Seleu-ciden hatten an diesen stets gefährliche Gegner, die Feinde der Seleu-ciden eifrige Bundesgenossen, deren zuletzt sogar die Römer sich zu ihrenEroberungen in Asien bedienten.
Die zweite Stelle nächst Syrien nahm im Orient Aegypten ein, dasnach dem Tode Alexander's d. Gr. seinem Feldherrn Ptolemäus zuge-fallen war (dem ersten ägyptischen Könige, mit dem Zunamen Soter,dem Gründer der Dynastie der Ptolemäer, 323—2841.
Endlich nahm die dritte Stelle im Orient Anfangs das thracisch-klein-asiatische Reich des Lysimachus ein, das sich bis zum Flusse Halys aus-dehnte, nach Jenes Tode aber in mehrere selbständige kleine Reiche zerfiel.
Diese drei Reiche des Orients, das des Lysimachus, Aegypten, undzwischen beiden das syrische, führten häufige Kriege, äussere unter