18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 47
Lanzenstoss nieder. Nun sammelte er seine ganze Armee und zog nachTegea, das er ohne Mühe unterwarf, und setzte sich auf dem feindlichenGebiete fest.
Dies war die dritte Schlacht bei Mantinea, in welcher Philopömendurch seine trefflichen, höchst geschickten, noch in der Schlacht selbstgetroffenen und dem Terrain wie den Bewegungen und Operationen desFeindes vollkommen angemessenen Anordnungen, und durch vorzüg-liche Ausnutzug der groben Fehler des Machanidas einen grossen, voll-ständigen, entscheidenden und glänzenden Sieg über diesen erfocht, —einen Sieg, welcher ebenso von der hohen persönlichen kriegerischenBegabung und Kunst des Philopömen. wie von den ausgezeichnetenLeistungen der von ihm geführten Truppen und von der gewaltigen KraftZeugniss giebt, welche die griechische Kriegskunst in seinen Händennochbesass. Leider war dies das letzte Mal. dasssie in altem Glänzeaufleuchtete, und Philopömen wird mit Recht der letzte der grossenMänner und Feldherren Griechenlands genannt: er stand in der Thatunvergleichlich viel höher, als seine erbärmlichen Zeitgenossen und Nach-folger unter den Griechen.
Mit dieser glänzenden That können auch wir den kurzen Ueberblickder Kriege in Macedonien und Griechenland in dem Zeitraum von derSchlacht bei Ipsus bis zum Frieden des Philipp mit den Römern im Jahre204 abschliessen, nach welchem keine bedeutenden Kriegsthaten mehrvorkommen. Wie kurz aber auch dieser Ueberblick gewesen, er hat ge-nügt, um einen Begriff von dem äussersten Verfall und dem kläglichenZustande des gesammten Kriegswesens in den unglücklichen LändernMacedonien und Griechenland zu geben. Mit Ausnahme etwa einigervereinzelten Kriegsthaten der besten Feldherren jener Zeit: Pyrrhus,Philopömen und auf kurze Zeit auch des Kleomenes, bieten alle übrigennicht das geringste Interesse in kriegerischer Beziehung, sondern zeigenim Gegentheil den tiefen Verfall der Macedonier und Griechen in kriege-risch-moralischer Beziehung, und im engsten Zusammenhange damitauch den Verfall der Kriegskunst bei ihnen im Allgemeinen und derKriegführung im Besonderen. Die von ihnen während dieser hundertJahre geführten Kriege gehören ihrem Charakter nach mehr barbarischenund halbwilden Völkern an, als so hochgebildeten Nationen. Unaufhör-liche Streifereien, Züge und Einfälle in das Gebiet der Feinde, mitschrecklicher Verwüstung und Plünderung, mit unmenschlicher Grau-samkeit gegen die einzelnen Personen und deren Habe, mit unbeabsich-tigten und zwecklosen Schlachten und Belagerungen, mit Verrätherei,Bestechlichkeit, Mord und den gemeinsten Lastern und Scheusslichkeitenverbunden, namentlich unter den höheren Volksklassen, den Fürsten undFeldherren, zugleich endlich mit dem gänzlichen Abhandenkommen des