18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 45
Phalanx ihrer Gewohnheit gemäss sofort einen Frontalangriff ausfuhrenwerde, war aber aufs Höchste erstaunt, als er sah, dass die ganze Armeedes Machanidas auf einmal die Intervalle zwischen ihren Abtheilungenöffnete, aus denen nun dieKatapulten undBallisten mit ihrer Bedienungs-mannschaft hervorgelassen wurden. Anfangs glaubte er, dass Machanidaserkannt habe, in welches Terrain er gelockt sei; er Hess sich indessennicht schrecken, sondern führte, um erheblichen Verlusten durch dasgrosse Wurfgeschütz vorzubeugen, und überzeugt davon, dass desMacha-nidas Phalanx nicht vom Flecke weichen werde, um nicht ihre Maschinenzu maskiren. die tarentinische leichte Reiterei persönlich vor und hiesseinen Theil der leichten Infanterie dieser folgen, sich vor der ganzenFront seiner Armee auseinanderziehen und die Bedienung des Wurf-geschützes heftig mit Bögen beschiessen. Dies war von grossem Erfolge:durch das lebhafte Beschiessen von Seiten des leichten Fussvolkes Philo-pömen's wurde die Bedienungsmannschaft der Maschinen in Verwirrunggebracht und konnte sie nicht zur Wirkung bringen. Nun Hess Macha-nidas, der bemerkt hatte, dass die gesammte fremde leichte ReitereiPhilopömen's auf dessen linkem Flügel stand, die schwere Reiterei desfeindlichen rechten Flügels aber sich nicht von der Stelle bewegte, seinleichtes Fussvolk, das hinter der Cavallerie seiner linken Flanke stand,hinter der Linie seiner Armee sich nach rechts ziehen. Als Philopömendies bemerkte, befahl er seinen berittenen Geharnischten und den Illyriernauf seiner linken Flanke über die Schlucht vorzugehen 'an den Stellen,wo rechtzeitig vorher die Ränder derselben abgestochen waren, um einenleichteren Uebergang herzustellen) und den Feind anzugreifen. Die Pha-lanx blieb auf beiden Seiten noch stehen, ebenso die Cavallerie der rechtenFlanke Philopömen's und der linken Flanke des Machanidas. Aber dieAttake von Philopömen's tarentinischer Reiterei scheiterte an der besserenund glücklicheren Führung der tarentinischen Reiterei des Machanidas;trotz aller Anstrengungen Philopömen's ward sie zurückgeschlagen, hieltnicht Stand, wandte sich zur Flucht über die Schlucht zurück, riss dieIllyrier mit sich fort und jagte auf dem Wege nach Mantinea*) weiter,hitzig verfolgt von Machanidas selber mit seiner tarentinischen Reiterei.Das beunruhigte aber Philopömen nicht im Geringsten; er liess seinetarentinischen Reiter und Illyrier ruhig nach Mantinea fliehen und denMachanidas ungestört in seiner unbesonnenen Verfolgung dorthin, er-muthigte seine übrigen Truppen durch seine Ruhe und Festigkeit undliess sofort alle Abtheilungen seiner ersten Linie sich schnell ans derFlanke nach links ziehen, die Punkte besetzen, wo seine fliehende Ca-vallerie des linken Flügels gestanden hatte, und die Abtheilungen seiner
Mantinea lag etwa 7 Stadien = ca. 1000 Schritt zurück. Anm. d. Uebers.