36 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
Heilung der Wunden, welche die vielen Kriege Macedonien geschlagen,— dessen es äusserst bedürftig war, — und nach aussen auf Wiederher-stellung der alten Abhängigkeit Griechenlands von Macedonien. Nach-dem er den Einfällen der Gallier von Norden her ein Ziel gesetzt und soMacedonien nach aussen gegen Gefahren geschützt hatte, begann er inGriechenland die aristokratische oder oligarchische Partei, die Tyrannenoder Regenten, welche sich in mehreren griechischen Städten aufgeworfenhatten, und die macedonische Partei in denselben zu unterstützen und,wo er irgend konnte, macedonische Besatzungen in die griechischenStädte zu legen. Aber in den 35 Jahren (301—266), dass Macedoniender Mittelpunkt der politischen und kriegerischen Ereignisse gewesenwar, hatte sich die Lage der Dinge in Griechenland vollkommen geändert,und schon begann dieses selbst sich an Stelle Macedoniens zum eigent-lichen Centrum der gesammten politischen und kriegerischen Thätigkeitder Maeedonier und Griechen zu machen, zum letzten Mal und nichtin unrühmlicher Weise — vor der Unterjochung Macedoniens undGriechenlands durch die Römer.
Die wesentlichsten Ursachen für diese Umwälzung waren: die all-mälige Entstehung und Kräftigung der beiden griechischen Staatenbunde,des ätolischen und achäischen, welche bald ganz Griechenland umfasstenund zum letzten Male alle Griechen in der Absicht der Aufrechterhaltungihrer politischen und bürgerlichen Freiheit und Unabhängigkeit ver-einigten. Die Bildung und Organisation der beiden Staatenbunde seitdem Tode Alexander's d. Gr. wurde schon oben besprochen (§. 115), wirkönnen deshalb uns hier darauf beschränken, die Hauptpunkte der kriege-rischen Ereignisse in Griechenland während der zweiten Hälfte dieserPeriode bis zum Beginn des ersten römisch-macedonischen Krieges imJ. 200 v. Chr. darzustellen.
Zu der Zeit, als Antigonus Gonatas, wie gesagt, in Macedonien sichbehauptete und seine Macht auch in Griechenland auszudehnen begann,hatten beide Staatenbunde, besonders der achäische, schon eine be-deutende Entwicklung und Kraft gewonnen, indem sie eine grosse Zahlgriechischer Städte und Staaten in ihren Verband gezogen hatten. Zurweiteren Erstarkung und Ausbildung des achäischen Bundes trug be-sonders ein vornehmer Sicyonier, Aratus, bei, ein kluger und gewandterPolitiker, der mehr als zwanzig Jahre hindurch Haupt und Seele desBundes und siebenzehn Mal Stratege desselben war, obschon er nicht diefür einen Feldherrn nothwendigen Eigenschaften besass. Antigonus Go-natas hatte sich während seiner letzten Lebensjahre (245—243) auf alleWeise, namentlich durch seinen Beitritt zum ätolischen Bunde, bemüht,den achäischen Bund zu zerstören, der ihm 'dem Antigonus) und demätolischen Bunde feindlich gesinnt war. Eine der letzten Unternehmungen