18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 35
und wurden durch ein Erdbeben unterstützt, das gerade zur Zeit statt-fand und sie so ermuthigte ('sie erblickten darin den Beistand der Götterselber) und zugleich die wilden und abergläubischen Gallier so erschreckte,dass die Griechen sie aufs Haupt schlugen und die Gallier auf demselbenWege, auf dem sie gekommen waren, durch Macedonien und Thracienzurückflohen, wo sie von den Einwohnern zum grössten Theil erschlagenwurden. Von denen, welche vorher schon in Thracien zurückgebliebenAvaren, wandten sich etwa 20.000 Gallier nach Kleinasien, wo sie vondem bithynischen Könige gegen Sold zum Kriegsdienst angeworben wur-den, sich in den ihnen angewiesenen Ländereien niederliessen und dortden Grund zu einem besonderen Reiche (Tetrarchie) legten, welches nachihnen Gallogräcia oder Galatien genannt wurde.
Während dessen war das von den Galliern verheerte und der Anarchieverfallene Macedonien Gegenstand blutiger Fehden zwischen verschie-denen Prätendenten des macedonischen Thrones geworden, von denendie bedeutendsten Pyrrhus und Antigonus Gonatas waren. Der Letztereerlangte endlich die Oberhand: Antiochus I. Soter, König von Syrien,schloss einen Vertrag mit ihm, wonach er ihm seine Rechte auf Mace-donien abtrat, ihm seine Tochter zur Ehe gab und dieses Land gleich-sam als Mitgift Uberliess (277 ; . Kaum aber war es Antigonus gelungen,sich auf dem Thron zu befestigen und auf den Wohlstand Macedonienssein Augenmerk zu richten, so erschien Pyrrhus abermals. Dieser fähigeund geschickte Heerführer und zugleich ehrgeizige und äusserst unruhigeabgewiesene Thronprätendent trachtete, nachdem seine unklugen Unter-nehmungen in Italien und Sicilien fehlgeschlagen, bei seiner Rückkehrvon dort aufs Neue darnach, Macedonien zu erobern. Antigonus rückteihm entgegen, aber das maeedonische Heer, mehr dem Pyrrhus gewogenals ihm, fiel von ihm ab, und so war Antigonus gezwungen, seine Zu-flucht auf der Flotte zu suchen und in seine Besitzungen im Peloponneszurückzugehen. Pyrrhus ward zum König von Macedonien ausgerufenund kehrte nach Epirus zurück, indem er seinen Sohn Ptolemäus zurück-liess; von Epirus unternahm er bald darauf einen Zug gegen Sparta (272)und wurde bei der Belagerung von Argos getödtet (s. u.). Nach seinemAbzüge aus Macedonien war Antigonus dorthin geeilt, wurde aber vonPtolemäus aufs Haupt geschlagen und konnte sich nur mit Mühe in denPeloponnes retten, wo er nun von Argos gegen Pyrrhus zu Hülfe gerufenwurde. Nach Pyrrhus' Tode wandte er sich gegen Macedonien, und dies-mal gelang es ihm. sich desselben zu bemächtigen, Ptolemäus zu ver-jagen, sich dauernd zu behaupten und in seiner Person zugleich dieDynastie des Antigonus I. und Demetrius Poliorcetes auf den macedoni-schen Thron zu bringen (266). Da er von dieser Zeit an keine äusserenNebenbuhler mehr hatte, so richtete er seine ganze Politik im Innern auf
3*