22 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
sich gegen den mächtigen Seleukus von Babylon erhoben, ein starkesHeer zusammengebracht, Python aus Medien vertrieben, und aus Hassgegen Antigonus wegen seiner Grausamkeit, wie aus Missgunst gegenden mächtigen Seleukus sich mit Eumenes verbunden. Da aber Jedervon ihnen Anspruch auf den Oberbefehl über das Heer hatte, so war dieHoffnung auf Zufriedenheit und Eintracht unter ihnen nur sehr gering,und dies besonders in dem Momente, als Antigonus aus Kleinasien miteinem starken Heere gegen sie heranrückte. Eumenes nahm daher seineZuflucht zu einer eigenthümlichen List, welche ihm auch gelang: er Hessein Bild von Alexander d. Gr. anfertigen, es auf einen Thron stellen indem Zelte, wo der Kriegsrath sich versammelte, und erschien dadurch,indem er diesem präsidirte, gleichsam selbst als Alexander d. Gr., wussteaber dabei auch durch seinen Verstand und durch seine Erfahrung in denBerathungen sich Geltung zu verschaffen, namentlich so lange er Geldhatte und die Truppen ihm treu blieben. Dank diesen Umständen undseiner hohen Kriegskunst und Befähigung vermochte er Anfangs durchmehrere glänzende Siege über Antigonus sich in Hochasien zu halten.Aber gegen das Ende hin konnten weder seine kriegerischen Gaben, nochseine Tapferkeit ihn vor dem Neide der übrigen Feldherren, seiner Ge-fährten , und vor dem meuterischen Geiste seiner Truppen retten, inwelchen keine Disciplin war. In dieser für ihn so schwierigen Lage zogsich der Krieg bis zum Herbst 318 hin, und es wurde für beide TheileZeit, die Winterquartiere zu beziehen. Um ein Beispiel zu geben für dieArt, wie Eumenes und Antigonus gegen einander Krieg führten, und zuwelchen Kesultaten die letzten Kriegsereignisse zwischen Beiden in Hoch-asien ausliefen, wollen wir hierbei etwas ausführlicher verweilen.
Einst waren beide Armeen, nicht weit von einander entfernt, nurdurch einen Gebirgsbach und einige Schluchten getrennt, sich gegenübergelagert. Die ganze Umgegend war total verwüstet, die Truppen littenMangel an Allem. Eumenes hatte in Erfahrung gebracht, dass Antigonusbeabsichtige, in der folgenden Nacht nach Gabiene abzuziehen, einerProvinz, die nördlich von Susiana, südlich von Ekbatana lag, noch nichtvom Kriege berührt war, an Lebensmitteln Ueberfluss hatte und für dieDislocirung der Truppen zum Winter um ihrer vielen Flüsse und Defileehwillen grosse Vortheile darbot. Deshalb beschloss Eumenes, dem Anti-gonus dort zuvorzukommen, und bediente sich dazu folgender List: erschickte einige Soldaten in des Antigonus Lager, die sich für Ueberläuferausgaben und ihm mittheilen mussten, dass bei seinem nächtlichen Auf-bruch einUeberfall gegen ihn gemacht werden solle; er selbst, Eumenes,schickte sofort alle seine Bagage und Lastthiere voraus, Hess seine Trup-pen sich mit Speise stärken und folgte bei hereinbrechender Dunkelheitmit ihnen der Bagage nach, indem er vor seinem Lager nur eine kleine