20 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten punischen Kriege.
und einzuschliessen, umlagerte ihn dort und bemächtigte sich auf dieseWeise fast des gesammten Kleinasiens. Ptolemäus hatte inzwischenPalästina. Phönizien und Cölesyrien erobert und seiner Herrschaft ein-verleibt, ausserordentlich wichtige und nothwendige Provinzen für ihn,weil ihre Küsten längs dem mittelländischen Meere reich an Waldungenwaren, welche ihm Schiffsbauholz für die ägyptische Flotte lieferten (320).
Der bald darnach erfolgende Tod Antipater's brachte neue und wich-tige Veränderungen hervor. Antipater hatte vor seinem Tode seinenFreund Polysperchon zum Reichsverweser ernannt: Der darüber auf-gebrachte Sohn Antipater's, Kassander, verband sich mit Antigonus,welcher ihm Unterstützung mit Geld, Flotte und Truppen zusagte. Poly-sperchon rief dagegen seinerseits, um dem entgegen zu wirken, dieMutter Alexander's, Olympias, ausEpirus herbei, wohin sie sich vor demHasse des Antipater geflüchtet hatte, verkündete im Namen des Königsdie Autonomie der griechischen Städte und ihre Befreiung von mace-donischen Besatzungen und ernannte Eumenes zum königlichen Strategenin Asien, indem er ihm zugleich alle dort befindlichen Truppen und dieköniglichen Schatzkammern zur Verfügung stellte. Allein seine Mass-regeln in Macedonien und Griechenland hatten nicht nur den Erfolg nicht,welchen er gewünscht und erwartet hatte, sondern brachten nur schreck-liche Verwirrung und Unordnung hervor.
Die Epimeneten oder Befehlshaber der macedonischen Besatzungenin den griechischen Städten hatten sich in einem grossen Theile der-selben so festgesetzt, dass es unmöglich war, sie zu entfernen. Nikanoraber, der Freund Kassander's, welcher von diesem aus Asien mit einemTheile des Heeres und der Flotte vorausgeschickt war und den atheni-schen Hafen Munychia besetzt hatte, führte nicht allein seine Truppennicht von dort weg, sondern setzte sich noch in den Besitz des zweitenHafens von Athen, des Piräeus, da er wusste, dass Kassander selbst baldmit Heer und Flotte hierher kommen werde. Polysperchon schickteseinen Sohn mit einem Heere ab, um sich Athens zu bemächtigen, unterdem Vorwande, den Nikanor aus Munychia und dem Piräeus zu ver-treiben. Zur selben Zeit erhob sich in Athen die demokratische Parteiund setzte eine demokratische Regierung ein; bald aber erschien Kas-sander mit Flotte und Heer im Piräeus und zwang Athen durch Hungerzur Uebergabe, indem er dessen Verbindung mit dem Meere abschnitt,stürzte die demokratische Regierung und ernannte den Demetrius Phale-reus zum Staatsoberhaupt, einen berühmten Staatsmann und Schrift-steller, der zehn Jahre lang (318—308) Athen weise regierte. GleichenErfolg hatte Kassander auch in einer Menge anderer griechischer Städte,in denen er das politische Uebergewicht gewann, und indem er auf dieseWeise sich in Griechenland festsetzte, bahnte er sich bald den Weg nach