18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 11
leben Ptolemäus' III. Euergetes (221) mit der griechiseh-niaeedonischenKriegskunst sehr kläglich aus. Am höchsten stand sie gleichermassen inMacedonien, Griechenland und dem Osten in der 22jährigen Periode derBürgerkriege zwischen den Nachfolgern Alexander's d. Gr., seit demTode dieses Letzteren bis zur Schlacht bei Ipsus incl. (323—301). Inden Kriegen ihres grossen Vorbildes und Meisters gebildet, zum grösstenTheil selbst hochbegabte, geschickte und kriegserfahrene Heerführer,hielten sie genau und unwandelbar an den Regeln der Kriegskunst fest,welche Philipp und Alexander aufgestellt hatten (I. Th., 12. Kap., §§. 80,81, 82), und entwickelten sie in einzelnen Fällen noch weiter. So i. B.hatten sie, unter Beibehaltung des früheren Verhältnisses zwischen derAnzahl der schweren und mittleren Fusstruppen und der Reiterei in derZusammensetzung der macedonischen Phalanx oder Armee, die Zahl derleichten Truppen, Fussvolk wie Reiterei, vermehrt und dem schwerenFussvolk, besonders aber der schweren Reiterei eine vollere Schutz-rüstung gegeben; bei der letzteren waren die sogenannten Kata-phrakten (Panzerreiter, heute Kürassiere), Ross und Reiter, vollständigin Schuppenpanzer gehüllt. Ausserdem mussten sie, um ihre gewaltigenKriege auf enormen Länderstrecken in Asien und in ungeheuren Dimen-sionen führen zu können, bei denen die wichtigsten politischen Ziele aufdem Spiele standen, ihre Armeen numerisch erheblich verstärken, undsie verwendeten in der Hauptsache schon nicht mehr einfache oder kleinePhalanxen, sondern die doppelte Phalanx (Diphalangarchie aus 8000 Ho-pliten) oder die vierfache (Tetraphalangarchie aus 16,000 Hoplitcn) miteiner entsprechenden Zahl mittleren Fussvolks (Peltasten) und schwererund leichter Reiterei, — was im Ganzen von 11—15,000 bis zu 28—30,000Mann schwerer und leichter Infanterie und Reiterei nebst einer grossenZahl leichter irregulärer Truppen zu Fuss und zu Pferde ergab, so dassim Durchschnitt die Gesammtzahl dieser Heere sich von 20—25,000 auf40—50,000 Mann, bisweilen noch mehr, belief. Die verschiedenen Artender Aufstellung, der Marschbewegungen, der taktischen Formationenund Evolutionen der Truppen im Kampfe blieben dieselben, der eigent-liche Angriff (die Attake) in der Schlacht wurde in der von Philipp undAlexander mit Vorliebe angewendeten schrägen Schlachtordnung, miteiner oder beiden Flanken und unter Umgehung und Umfassung desFeindes in Flanken und Rücken ausgeführt. — Gleich Philipp undAlexander strebten und verstanden die Feldherren, die Phalanx in denSchlachten den verschiedenen Terrainformen, Umständen und Zufällendes Kampfes entsprechend zu verwenden, ihre Mängel und Nachtheilezu vermindern, ihre Vorzüge und Stärke dagegen zu erhöhen. In dieserHinsicht zeichnen sich ihre Schlachten bis incl. der von Ipsus in höheremoder geringerem Grade durch taktische Kunst aus und verdienen Be-