12 HI. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten panischen Kriege.
Achtung. Es ist dem noch hinzuzufügen, dass sie der leichten Infanterieund besonders der leichten Cavallerie den Avantgarden-, Auf klärungs-und Sicherheits-Felddienst schon in weit höherem Maasse übertrugen, alses von Alexander geschehen war. — Auf der anderen Seite aber begannensie in einigen Beziehungen von den taktischen Regeln Philipp's undAlexander's abzugehen, indem sie bisweilen Wurfmaschinen, Feldballistenund Katapulten mit ins Feld nahmen, nicht allein um Defileen und Fluss-ufer gegen den Feind zu schützen, wie es Alexander gethan hatte, sondernfür die Schlachten, und ebenso Elephanten mit Thürmcn und Bogen-schützen darauf, — Mittel, welche Alexander mit Recht verachtet hatte.Auch in Art und Kunst der-Kriegführung befolgten sie die RegelnAlexander's, indem sie sich in Rücken und Flanken deckten und ihreconcentrirten Kräfte direct und rasch und entscheidend auf das für siewichtigste, politische oder militärische Opcrationsobjcct warfen, vorzugs-weise auf die Armeen der Gegner, mit der Absicht zu schlagen, oder aufdie feindlichen Festungen, grossen Städte oder ganze Provinzen. BeimZusammenstoss mit dem feindlichen Heere wurde sogleich die Schlachteröffnet, deren Entscheidung von der numerischen Ueberlegenheit, oderder Kunst der Feldherren abhing, oder durch den Muth und die Tapfer-keit der Truppen, oder durch irgend welche besondere Umstände undZufälligkeiten herbeigeführt wurde, die mitunter aber auch durch plötz-liche Feigheit der Truppen, welche sich zur Flucht wandten, durch ihrwährend der Schlacht erfolgendes Ueberlaufen auf die andere Seite, oderendlich in Folge directenUngehorsams, Meuterei, Verrath, Bestechung etc.verloren ging. Man muss übrigens im Allgemeinen zugeben, dass bis zurSchlacht bei Ipsus incl. die griechischen und namentlich die macedoni-schen Truppen im Kampfe sich tapfer schlugen, und um so besser, wenndie Feldherren durch ihre persönliche Befähigung, Kunst oder Freigebig-keit ihnen Achtung, Vertrauen und Ergebenheit eingeflösst hatten. Diedunkelste Seite der Kriege jener Zeitperiode war im Besonderen dies,dass diese Kriege mit der grössten Zügellosigkeit der Soldaten, Ver-wüstung und Verheerung des Landes, Beraubung] der feindlichen Ein-wohner und grausamer Behandlung der Besiegten und Gefangenen ver-knüpft waren. Es geschah dies allerdings häufig nur als Mittel, um denGegner zur Schlacht, zur Unterwerfung oder zum Frieden zu zwingen.Das Hauptmittel aber zur Entscheidung des Krieges wie des Loosesganzer Länder und Völker war und blieb — die Schlacht. Und wenn imKriege, abgesehen von den Schlachten, irgendwelche entscheidende Er-folge erzielt wurden, so schrieb man sie ausschliesslich der besonderenGeschicklichkeit des Feldherrn oder den von ihm angewendeten Kriegs-listen zu, welche ihm als besonderes Verdienst angerechnet wurden. ImAllgemeinen zeichnen sich die taktischen und strategischen Massnahmen