Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten puniseuen Kriege.

nistung des schweren Fussvolks und der Reiterei mit schweren Schutz-waffen, in Mitführung von Wurfmaschinen ins Feld, sowie von Streit-wagen und Kriegselephanten. Während aber diese zahlreichen, aus denverschiedensten Stämmen und Völkern zusammengesetzten Schaaren indieser Weise ausgerüstet, aber mit Söldnern überfüllt und mit schlechtausgebildeten Bundescontingentcn vermischt waren, bestanden sie zu-gleich grösstenteils aus verweichlichten, an Körper und Geist ge-schwächten, unkriegerischen, feigen Soldaten, welche bei dem erstenZusammenstosse mit dem Feinde schimpflich sich zu allgemeiner Fluchtwandten, fern vom Feind aber eigenmächtig, unverschämt, aufrühre-riscb, zu Gewalttätigkeiten und Raub geneigt waren und jeder Leiden-schaft fröbuten. Mit einem Wort, der Orient, welchen Alexander d. Gr.durch griechische Civilisation hatte mit Europa verschmelzen wollen, warin einem Zeitraum von hundert Jahren wieder ganz der alte Orient, jafast noch schlimmer als vordem geworden, und Heerwesen und Heerewaren in denselben Zustand gerathen, in welchem sie sich in der persi-schen Monarchie vor deren Eroberung durch Alexander befunden hatten.Uebrigens sind auch hier, wie oben bezüglich Griechenlands, Aus-nahmen zu Gunsten einiger Staaten und Völker des Orients zu machen,welche unter der Regierung begabter Herrscher oder aus anderen Grün-den sich zeitweise durch bedeutendere Kriegsthaten hervorthun. Soz. B. führte A'ogypten unter Ptolemäus III. Euergetes (246221) undSyrien unter Antiochus III. d. Gr. (224187) mit grossem Geschick undviel Glück Kriege, welche beiden Staaten zum Vortheil und Ptolemäuswie Antiochus zum Ruhme gereichten. Später waren Antiochus, Mithri-dates VI. d. Gr., König von Pontus, und das parthische Reich unter derDynastie der Arsaciden Feinde Roms, und zwar würdige Feinde Roms;namentlich Mithridates und die Parther führten hartnäckige Kriege mitRom und brachten es in nicht geringe Bedrängniss.

§. 116.Kriegskunst.Wenn die militärische Organisation und die Heereseinrichtungen, derGeist und die Subordination in den Heeren Macedoniens, Griechenlandsund des Orients in dein Zeiträume vom Tode Alexander's d. Gr. bis zurUnterjochung dieser Länder durch die Römer in Verfall geriethen, sohatte sich andererseits die griechisch-macedonischc Kriegskunst auf demStandpunkte erhalten, welchen sie unter Philipp und Alexander inne ge-habt hatte, einer ihrer Zweige, die Belageruugskunst, hatte sogar einebis dahin unerreichte Entwicklung erlangt und bedeutende Erweiterungenerfahren. Nur im Orient war der Verfall eingetreten, in Asien sah eswach dem Tode Seleukus' I. Nikator (281). in Aegypten nach dem Ab-