18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 9
ständigkeit zu trachten; bis zur Schlacht bei Ipsus, welche dem 22jähri~gen Kriege zwischen den Feldherren und Nachfolgern Alexander's einEnde machte und das Schicksal Asiens und Europas entschied, hingensie indessen noch mit losen Banden zusammen. Nach dieser Schlachtaber zerfiel die ganze ungeheure Monarchie, welche Alexander den Per-sern entrissen hatte, sogleich definitiv in zwei grosse Reiche: Syrien,das Reich der Seleuciden, und Aegypten, das Reich der Ptolemäer, undin mehrere kleinere: Kappadocien, Pontus, Bithynien, Pergamus, Ga-latien in Klein- oder Westasien, — Baktrien mit Sogdiana und Parthicnin Hoch- oder Ostasien. —Von dieser Zeit an gingen in den militärischenEinrichtungen des Orients die entscheidenden Veränderungen vor sich,welche in den 22 Jahren bis zur Schlacht bei Ipsus sich erst vorbereitethatten. Die ersten Begründer des syrischen und ägyptischen Königreichsund der in Beiden herrschenden Dynastien, Seleukus I. Nikator undPtolemäus I. Soter, Sohn des Lagus, vermochten durch ihre Herrscher-gaben die militärische Organisation und Einrichtungen in Syrien undAegypten noch in gehöriger Ordnung und fast in demselben Zustande zuerhalten, wie unter Alexander. Bei ihren Nachfolgern aber begann Allesmehr und mehr andere Form und Charakter anzunehmen, wie sie in demalten Orient üblich waren. In Asien wie in Aegypten entarteten dieGriechen, die eingeborenen Nationen gewannen das Uebergewicht tiberall,und mit ihnen brachen die volkstkümlichen Sitten, Gebräuche und Ein-richtungen wieder hervor. Man muss diesem noch hinzufügen, dass ausder Zahl der Seleuciden, Ptolemäer und der Herrscher, welche von Syrienabgefallen waren und ein neues Reich gebildet hatten, nur sehr Wenigedurch Begabung und sittliche Eigenschaften sich über die Anderen er-hoben, die Mehrzahl dagegen aus unfähigen und in moralischer Beziehungunwürdigen Männern bestand. Dem Luxus ergeben, in Verweichlichungund Sittenverderbniss verfallen, durch Familien- und Hofintriguen undZwiste gespalten, unfähig zur Leitung der Staats- und Kriegsangclegen-liciten, sanken sie immer mehr zur Stufe der alten Despoten des Orientsund der letzten persischen Könige herab. Unter ihrem schädlichen Ein-fluss begannen auch die militärischen Einrichtungen wie die Armeen imOrient die alten, letzterem eigenthümlichen Formen und Charaktere an-zunehmen in Bezug auf Zusammensetzung, Organisation, Verwaltung,Geist, Subordination, kurz in allen Beziehungen. — Die letzten Seleu-ciden und Ptolemäer geberdeten sich schon ganz wie persische Könige ;gleich ihnen suchten sie die Stärke ihrer Heere nicht mehr in derthunlichst guten Zusammensetzung, Einrichtung, Formation, in derentrefflicher Gesinnung und Disciplin, sondern in ihrer numerischen Ueber-legenheit und in verschiedenen anderen Hülfsmitteln, welche stets imOrient eine niedrige Stufe der Kunst bezeichneten, nämlich in der Aus-