8 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zum zweiten punischeu Kriege.
nisses der Aetolier. Achnlich wie beim achäischen Bunde war das Ober-haupt des ätolischen Bundes und der Oberf'eldherr seines Heeres derStratege, die zweite Stelle nach ihm bekleidete der Hipparch oderBefehlshaber der Reiterei, Beide in öffentlichen Versammlungen erwählt,welche in der Hauptstadt Therma stattfanden. — Die militärischen Ein-richtungen und Organisation der Bundestruppen, in welche nur Aetolieraufgenommen wurden, hatten ihren alten ursprünglichen Charakter bei-behalten und zeichneten sich besonders hierdurch vor denen der übrigengriechischen Staaten und Stämme aus. — In militärischer wie in politi-Beziehung waren der achäische und der ätolische Bund die letztenglänzenden Formen, in denen das griechische Leben vor seinem gänz-lichen Ende noch einmal zur Erscheinung kam.
Was Sparta anbelangt, so hatte die im J. 226 durch Kleomencs dortvollzogene Umwälzung, welche in der Wiedereinsetzung der alten lykur-gischen Gesetze, Abschaffung der Macht der Ephoren, Kräftigung derköniglichen Gewalt und in einer mehr gleichmässigen Vertheiluug desVermögens etc. bestand, in Folge der persönlichen und kriegerischen Be-gabung des Kleomenes, Sparta und dessen militärische Einrichtungen,dessen Macht und Einfluss wieder gehoben, aber nur auf sehr kurze Zeit(5 Jahre), wonach Sparta wieder in seine alte Ohnmacht und Schwächezurücksank.
Im Orient endlich war keineswegs das zu Stande gekommen, wasAlexander d. Gr. gewünscht hatte. Er hatte die Besiegten mit denSiegern, Asiaten und Aegypter mit Griechen und Macedoniern, denOrient mit Europa verschmelzen wollen durch Uebertragung der griechi-schen Civilisation nach dem Orient; die staatlichen und militärischenEinrichtungen jener Länder sollten beibehalten bleiben, die Länder selbstnur unter der Leitung lokaler macedonischer und griechischer Statthalterstehen, welche von macedonischen Heeren unterstützt worden und seiner(Alexander's) persönlichen Oberhoheit unterworfen geblieben wären. —Die griechische Civilisation hatte sich in der That in allen von Alexanderden Persern abgenommenen Provinzen ausgebreitet, überall begannen inihnen griechische Kunst und Wissenschaft zur Herrschaft zu gelangen,eine Menge der von Alexander und seinen Nachfolgern gegründetenStädte führten griechische Namen und waren von Macedoniern undGriechen bevölkert, die griechische Sprache wurde officielle Regierungs-sprache und von den höheren Klassen angewendet, die Landcs-Mundartensanken herab zur Sprache der unteren Klassen. ■— Das Alles aber warnicht im Stande, die eroberten Länder und Völker zu einem grossen Ge-sammtstaat politisch "fest zusammenzukitten: da er nicht auf das Natio-nalitätsprincip gegründet war, begannen die einzelnen Völkerstämmeschon gleich nach Alexander's Tode nach Unabhängigkeit und Selb-