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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 2 (1874) Vom Tode Alexander's des Grossen bis zum zweiten punischen Kriege : (218 v. Chr.)
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18. Macedonien, Griechenland und der Orient. 5

ihrer griffen Willkur, Frechheit, Empörung, Habgier und jegliche ArtSittenverderbniss um sich. Es ist sehr natürlich und begreiflich, dass beidiesem tiefen moralischen Verfalle der Armeen und ihrer Feldherren diegriechisch-macedonischen Militär-Einrichtungen, indem sie nur noch ihreäussere Form bewahrten, ihren inneren Geist vollkommen einbüssten, dersie zur Zeit des Ruhmes Griechenlands und unter Philipp und Alexanderbeseelt hatte, und nur noch ein Körper ohne Seele waren.

In Macedonien, das nicht mehr, von solchen grossen Königen undFeldherren, wie Philipp und Alexander, regiert und verwaltet wurde,waren die Truppen, in den Händen solcher ehrgeizigen, wenn auchfähigen Menschen, wie der erste Herrscher Perdikkas und die auf ihnfolgenden und ihm ähnlichen es waren, und nach diesen in den Händenvon unfähigen und unwürdigen makedonischen Königen, nicht alleinkeine Stütze und Stärkung, sondern eine Schwächung und Gefahr fürden macedonischen Thron und eine der Hauptursachen für die leichteUnterwerfung Macedoniens durch die Körner.

Was bis dahin die Hauptmacht der macedonischen Armee, ihr Kernund bester Theil gewesen war, die auserlesenen Schaaren der königlichenGefährten und Leibwächter, aus den vornehmsten Personen der höchstenVolksklassen gebildet, sie wurden jetzt die Hauptwerkzeuge undActeurs in allen Hof- und inneren Umwälzungen in Macedonien, setztennach ihrem Belieben Könige auf den Thron und wieder ab, gingen voneinem Ehrgeizigen zum andern über und entehrten sich nicht selten selbstdurch Verrath und Bestechlichkeit (wie z. B. die Argyraspiden im J. 317-in Hochasien, welche in der Schlacht sich gegen Eumenes empörten undverrätherischer Weise zum Antigonus übergingen). Ihr Beispiel war vonverderblichem Einfluss auch auf die übrigen Truppen des macedonischenHeeres: die stehenden Truppen (Phalanx), die Provinzial-, Hülfs- undbesonders die Miethstruppen, deren Zahl sieh mehr und mehr ver-grösserte. Die Gewohnheit, 5 als Söldner zu dienen und Söldner anzu-werben, hatte sich zu dieser Zeit auch in Macedonien wie in Griechenlandund dem Orient im höchsten Maasse eingebürgert, und für Gold warenstets Miethstruppen in beliebiger Zahl zu haben. Aber diese käuflichenMiethlinge waren, wie schon öfter bemerkt, nicht nur unzuverlässig,sondern äusserst schädlich und gefährlich für den Staat. Indessen war,hei der schrecklichen Verheerung, welche die fast unaufhörlichen undgrausamen Kriege über ganze weite Länderstrecken brachten, dasKriegshandwerk fast noch das einzige einträgliche, und Niemandtrieb dasselbe mit grösserem Eifer, als die Griechen, einige wilde undhalbwilde Stämme, und die Gallier seit 280, die Sorge und der SchreckenMacedoniens, Griechenlands und Kleinasiens. Auf diese Weise warendie macedonischen Armeen jener Zeit, wenn auch stärker als die früheren,