4 III. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zum zweiten pnnischen Kriege.
wälzüngen und Bürgerkriege übten einen entschiedenen und schädlichenEinfluss auf die griechisch-macedonischen Militär-Einrichtungen aus,welche seit dieser Zeit rasch in Verfall geriethen. Die sittliche Kraft,welche in ihnen gelebt hatte und der Hauptgrund ihrer Blüthe gewesenwai\ wurde allmälig erschüttert, zuerst durch die Kriege der Griechenin Asien, und dann durch Alexander's d. Gr. Feldzüge in diesem Erd-theil. Die durch diese Kriege herbeigeführte Berührung mit den Reich-thümern, dem Luxus, der Verweichlichung und Sittenverderbniss desOrients waren von verderblichem Einfluss auf das griechisch-macedo-nische Heer und dessen Einrichtungen. Zu Alexander's d. Gr. Lebzeitenhatte die gewaltige Einwirkung seiner als Mensch, Herrscher und Feld-herr gleich grossen Persönlichkeit den Verfall derselben noch aufgehalten,obgleich die drohenden Vorzeichen davon schon in der zweiten Hälfteseiner Feldzüge in Asien sich deutlich gezeigt hatten — so in den Ver-schwörungen gegen ihn, in der Missstimmung und dem Murren seinesHeeres und in der entschiedenen Weigerung desselben, mit ihm über denHyphasis weiter nach Osten zu ziehen. Aber der Tod Alexander's hattemit einem Male alle Bande zerrissen, welche unter ihm noch sein Ge-bäude zusammengehalten, und bezeichnete den Anfang des entschie-denen Verfalles des griechisch-macedonischen Heerwesens, nicht so-wohl in seinen äusseren Formen, als in seinem inneren Geiste undsittlichen Werthe. Die Feldherren und Nachfolger Alexander's, von un-gemessenem Ehrgeiz angestachelt, Jeder nach der höchsten Gewaltstrebend, Alle sich gegenseitig beneidend, gaben zuerst das Beispiel derMissachtung der Gesetze, indem sie nicht zu gehorchen, sondern nur zuherrschen bedacht waren. Zur Ausführung ihrer ehrgeizigen Pläne ver-mittelst ungeheurer Kriege, welche in weiten Länderstrecken zu führenwaren, bedurften sie bedeutender Streitkräfte und Kriegsmittel, und zurErlangung derselben waren sie keineswegs wählerisch. Als hauptsäch-lichstes Werkzeug mussten ihnen die Armeen dienen, auf sie setzten sieihre Hoffnung, — sie scheuten kein Geld, um sie auf ihre Seite zu bringenund erheblich zu vermehren, übten in jeder Weise Nachsicht gegen sieund schreckten weder vor Verrätherei, noch vor Bestechung und ähn-lichen unwürdigen Handlungen zurück. Die Armeen ihrerseits, im Be-wusstsein ihres Werthes, ihrer "Wichtigkeit und Bedeutung, waren gleich-falls, wie die Feldherren, nicht gesonnen zu gehorchen, sondern trachtetennach Macht und Herrschaft, verkauften den Ehrgeizigen ihre Mithülfe fürGold und alle Arten von Zugeständnissen und Nachgiebigkeit, nahmenTheil an allen politischen Intriguen, Streitigkeiten und Empörungen undwarfen sich mit jenen ehrgeizigen Feldherren zugleich zu den Haupt-acteurs in den politischen und kriegerischen Ereignissen jener unruhe-vollen finstern Zeit auf. Die Disciplin in den Heeren hörte ganz auf, statt