Beilagen. 459
Zadrakarta, seine Thaten an dem südliehen Ufer des kaspischen Meeres unddie Concentrirung seiner Armee in Baktrien. Sie alle zeigen so deutlich Alexan-ders Verständniss seiner Lage, dass es genügt, sie zu kennen, um mit ziem-licher Genauigkeit die Beweggründe für sein Verhalten und den in ihnen offen-barten Geist begreifen und darlegen zu können. Der charakteristischeste Zugdieser Unternehmungen, wie auch vieler ähnlichen in diesem Kriege, istdie ununterbrochene Keihenfolge der Thaten, in welchen die unglaublichsteAnspannung der Kräfte, der Krieg in allen seinen Formen und Gestalten undauf dem schwierigsten Terrain, die wichtigsten Verhältnisse aller Art sich stetsgegenseitig ablösen und bestimmen. Vorher aber schon, ehe Alexander Baktrienerreicht hatte, war er genöthigt gewesen, die Richtung seines Zuges dorthin zuändern, um in seinem Rücken den von ihm mit Wohlthaten überhäuften, abertreulosen Satrapen Satibarzanes unschädlich zu machen, und erst nachdem erdies vollbracht hatte, gelangte er auf weitem Umwege nach Baktrien.
Nach der vollständigen Besiegung des Darius bis zum Beginn des Feldzugsin Indien bieten die Handlungen Alexander's im Allgemeinen das Bild einerMenge einzelner Expeditionen gegen verschiedene eingeborene Stämme, —Expeditionen, die unter sich in keinem weiteren Zusammenhange standen. Eswaren dies, so zu sagen, nur abgesonderte Episoden eines allgemeinen Ganzen,jede für sich sehr bedeutend und interessant, aber alle von demselben Charak-ter, der oben bezeichnet wurde.
Der Feldzug in Indien dagegen bietet wieder ein in sich zusammenhängen-des Ganzes dar, das seinem Ziele und den darin zur Verwendung kommendenKräften nach nur mit dem vorhergehenden Unternehmen gegen Darius ver-glichen werden kann. Vorbereitung, Anfang und Ende dieses Feldzugs zeigenabermals das Genie Alexander's in seinem vollen Glänze. Alexander entwickeltin dieser Campagne solchen Scharfsinn, solche Thätigkeit und persönliche An-theilnahme und trifft so geschickte Massregeln, dass er wiederum als Feldherrersten Ranges erscheint. Beweis dafür sind die vorausgehenden Eroberungen,aus denen eigentlich der ganze Feldzug besteht, die Besiegüng aller auf seinemWege vorgefundenen Stämme und alle Massregeln, welche seinen Uebergangüber den Indus und Hydaspes vorbereiten sollten. Der ungestüme Feldherrselber legt sich Fesseln auf und schreitet nicht eher zur Ausführung, als bisdie von ihm ersonnene That vollkommen reif ist und er selbst die absolute Ge-wissheit des Erfolges gewonnen hat. Dann aber erfolgt die Ausführung mitder äussersten Aufbietung aller Kräfte und unter der persönlichen, unmittel-baren Betheiligung Alexanders. In diesem Geiste und Sinne stellen die Schlach-ten am Indus und besonders am Hydaspes sich uns dar als die letzten grossenThaten Alexander's.
Die danach noch erfolgenden Handlungen Alexander's tragen zwar allenoch denselben entschiedenen Stempel der Genialität, aber Alexander erscheinthier schon mehr als der um die Befestigung und das Wohl seiner unermesslichen