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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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Beilagen. 457

welche in solchen Fällen selten täuscht, namentlich wenn ein solcher Feldherr,wie es Alexander war, an der Spitze steht. Das Glück begünstigt in solchenFällen meist den bedeutenden 'Feldherrn und es war Alexander beständig treu,aber nicht ganz ohne allen Antheil von seiner Seite, sondern vielmehr gradeinfolge seiner Verstandes- und Willenskraft und der Festigkeit seines Geistes.Das Leben, die Thaten, das Beispiel und die fortgetzten Kriege desselbenmussten einen mächtigen Einfltiss auf alle seine Soldaten überhaupt ausüben,speciell aber auf die Macedonier, und diese Alle mussten in ganz andrer Weisebegeistert sein, als Jene, die nicht an seinen Kriegen Theil genommen hatten.Wenn man nun noch hinzufügt, dass er nicht allein ihr oberster Feldherr, son-dern auch ihr König war, so musste dies unzweifelhaft noch mächtiger auf sieeinwirken, indem es ihm die volle unbeschränkte, von Nichts abhängige Gewaltverlieh, welche die einer höheren Macht unterstellten Feldherren, selbst diebesten und geschicktesten, niemals hatten noch haben können. Man muss alsozugestehen, dass die Verbindung aller dieser Umstände Alexander bei der Aus-führung seiner grossen Entwürfe, für die er Niemandem verantwortlich war,sehr zu Statten kam und ihre Ausführung begünstigte, obgleich der eigentlicheGrund dafür einzig in seiner gewaltigen Persönlichkeit lag.

Seine ungewöhnliche Körperkraft und Ausdauer gaben Alexander ein ent-schiedenes Uebergewicht, ohne welches er seine kolossalen Unternehmungen garnicht hätte ausführen können. Nur ein eiserner Körper, wie der seinige,konnte die unsäglichen Beschwerden, die Anspannung der Kräfte während eines13jährigen Krieges- und Campagnelebens aushalten und namentlich auch derverzehrenden Einwirkung seines Feuergeistes Stand halten, und diese Zähigkeitseiner Natur erklärt auch zum Theil das eigensinnige Festhalten an seinenEntwürfen und die Ausdauer bei ihrer Durchführung. Nur der Tod des mitihm aufgewachsenen Hephästion scheint plötzlich diese Kraft zu körperlicherAnspannung gebrochen, oder wenigstens den Anlass gegeben zu haben zu demVerfall seiner Körperkraft, der ihn zu einem frühen Tode noch in der Blütheder Jahre führte. <

Es war wohl nicht seine Körperkraft allein, sondern das Bewusstsein der-selben in Verbindung mit dem Gefühl der Ueberlegenheit seines Verstandes undGeistes und des Uebergewichtes seines Willens, das ihn so oft in das dichtesteHandgemenge fortriss, wo er gleich dem letzten gemeinen Soldaten kämpfte.Von grossem Einfluss auf ihn in dieser Beziehung mag die Leetüre seiner heissund enthusiastisch geliebten Iliade gewesen sein, die das Streben in ihm er-weckte , den epischen Helden dieses epischen Gedichts nachzuahmen, und erselber hatte in der That viel Aehnlichkeit mit ihnen, sowohl in der allgemeinenGeschichte seines Lebens, als in seinen Kriegsthaten, welche den vollkommenenStempel eines Epos aus dem heroischen Zeitalter an sich tragen. Es entstehthierbei die Frage, ob er gleich kolossale Erfolge hätte erringen können, wennvon dem Uebergang über den Granikus an bis zur Einnahme der Burg der