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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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456 Beilagen.

zeigte sich zuerst und vor Allem bei dem Uebergang über den Granikus i wennbei dieser Gelegenheit der Verstand die Oberhand über den Willen erlangthätte, so hätte Alexander sich zu dem Uebergang nicht entschlossen und keinensolchen entscheidenden moralischen Eindruck hervorgebracht, wie er die Folgedesselben war. Bei Issiis wurde ohne Zweifel zuerst ein Fehler gemacht, dasGlück aber wandelte denselben in die Ursache zur Niederlage der Perser. BeiArbela und am Hydaspes sind Verstand und Wille im gleichen Maasse ersicht-lich. Sieht man diese gewaltigen Schlachten, deren Folge die Unterjochungganzer Königreiche war, lediglich als die Frucht geschickter Massregeln an, soerscheinen sie als Combinationen eigentlich ziemlich gewöhnlich und unschwie-rig. Wenn man aber in die ganze Tiefe der Ausführung dieser Combinationen inder Schlacht selbst eindringt, so erscheint die Ausführung als eine weit höherstehende, als die Combination, die That höher als die Absicht, der Wille höherals der Verstand. Daraus leitet sich auch die hohe Achtung her, welche jedegrosse That, besonders die eines grossen Feldherren, bei den Menschen erzeugt.Und deshalb eben ist es unerlässlich, diesen gegenseitigen Zusammenhangrichtig zu erkennen, um auch diejenigen Httlfsmittel richtig beurtheilen zukönnen, mit deren Hülfe in Alexander's Geiste sich seine Combinationen zu-sammenreiheten und sein Wille zur Ausführung gebracht werden konnte. DasZiel Alexander's war eine kolossale Eroberung, zu welcher unzweifelhaft eineunzählige Menge von einzelnen Unternehmungen erforderlich war. Die grosseAufgabe musste mit dem Enthusiasmus angefasst werden, welchen ein erhabenerGedanke einem grossen Manne einflössen kann, der in sich selbst und in seinemHeere die Mittel sieht zur Erreichung seines Zieles. Das brachte auch inAlexander und durch ihn in seinem Heere diese hohe begeisterte Schwungkraftund diese starke moralische Anspannung hervor, von welcher die Geschichte unsberichtet. Indessen werden dadurch keineswegs vorhergängige verstandesge-mässe und kaltblütige Ueberlegungen ausgeschlossen: sobald sie aber voll-kommen zu Ende geführt waren , schwanden alle entgegenstehenden Nebenge-danken, Erwägungen und Fragen zweiter Linie , und Alles kam nur noch aufAusführung und Wirksamkeit an.

Alexander stand einem zwar tapfern, aber schlecht formirten, unausge-bildeten und schlecht geführten Feinde gegenüber, welcher nur durch seinenumerische Uebermacht schrecken wollte, aber nicht die erforderliche mora-lische Energie besass, in der ersten Zeit sich auf die Defensive beschränkte undselbst dabei noch fehlerhafte Massregeln ergriff. Darauf war auch der ersteungewöhnlich kühne Schritt Alexander's, der Uebergang über den GranikusAngesichts des Feindes gegründet. Allerdings konnte Alexander zurückge-schlagen werden , aber dann würde er wahrscheinlich ebenso gehandelt haben,wie später am Hydaspes. Die fehlerhafte Aufstellung des Feindes, die Be-geisterung und Tapferkeit der Truppen Alexander's und ihre aussergewöhn-liche Geschicklichkeit im Manövriren gaben ihnen die Hoffnung auf den Erfolg,