450 IL Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
§. 113.Kriege der Römer nach, der Belagerung von Veji überhaupt.
Seit der Belagerung von Veji war in der ganzen Form der Krieg-führung der Eömer und in dem Charakter ihrer Kriege selbst eine be-deutende Veränderung vor sich gegangen. Die Einführung der Soldzah-lung an die römischen Truppen und der Lieferung von Unterhalt und Aus-rüstung für dieselben, wozu die Belagerung von Veji den Anlass gegebenhatte, bot der römischen Regierung die Möglichkeit, die Kriege auf weitereEntfernungen und längere Zeit zu führen und wichtigere Zwecke damitzu verfolgen, bedeutendere Erfolge zu erlangen und sichere und festereResultate zu gewinnen, als bisher. Dann aber haben von dieser Zeit andie Kriege der Römer nicht mehr den bisherigen Charakter von Einfällen,sondern beginnen allmälig einen geregelteren Charakter anzunehmenund nach Maass und Umfang sich zu erweitern. Noch 52 Jahre lang nachder Einnahme von Veji (395—343) waren sie, wie auch in den vorher-gehenden 100 Jahren, in politischer Beziehung vorzugsweise defensiverArt, weil grade zu dieser Zeit Rom im Innern durch die Streitigkeitenzwischen Patriciern und Plebejern besonders erschöpft war, nach aussenaber neben den Angriffen der Völker Mittelitaliens noch die Einfälle derGallier zu erleiden hatte. Im Laufe der Zeit aber triumphirten die Rö-mer vollständig über die nächstbenachbarten Völker, befestigten ihreMacht über sie und waren schon im Jahre 343 im Stande, de n erstenAngriffskrieg gegen die Samniten zu ivnternehmen, welcher ihnendie Bahn zur Eroberung von Italien eröffnete.
§• H4.
Allgemeine Betrachtungen über die Kriege der Römer und ihren
Charakter, wie über die Art und Kunst der römischen Kriegführung
in dieser Periode.
Im Allgemeinen betrachtet, waren die Kriege, welche die Römer indieser Zeitperiode führten, in politischer Beziehung defensiver, in mili-tärischer Beziehung offensiver Natur. Die Römer liebten es von Anfangan, sowohl in ihren Kriegen, wie in ihren Schlachten den Feinden mitdem Angriff zuvorzukommen, und selbst in der Vertheidigung offensivverfahrend, hatten sie meist die Vortheile und Chancen des Anfangensund Zuvorkommens auf ihrer Seite, wodurch einigermassen die Ungleich-heit der Kräfte ausgeglichen wurde, und bei der Ueberlegenheit ihrerOrganisation, der Vortrefi'lichkeit ihres militärischen Geistes, ihrer Dis-ciplin und Einmüthigkeit gingen sie aus den Schlachten, wie aus denKriegen fast immer als Sieger hervor. Jeder Krieg, der mit Glück be-