440 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Veji sehr merkwürdig dadurch, dass die Römer bei ihr zum ersten MaleContra- und Circumvallationslinien aufführten und einen Damm (agger)bauten, um geschützt sich der Stadtmauer nähern zu können. Nach neun-jähriger Belagerung wurde (395) Veji von Camillus vermittelst eines un-terirdischen Ganges in das Innere der Stadt bis in den Junotempel, wel-cher zugleich Burg oder Citadelle war, eingenommen. Seit dieser Zeitmachte die Kunst der Belagerungen bei den Bömern etwas raschereund bedeutendere Fortschritte; — aber zur vollen Entwicklung und Aus-bildung gelangt sie erst in der folgenden Periode, in der Zeit der puni-schen Kriege und nach denselben.
Es ist nicht ganz gewiss, aber höchst wahrscheinlich, dass währendder Zeit von der Belagerung von Veji bis zu den Kriegen mit den Sam-niten (395—343) die Römer sich bei ihren Belagerungen zum erstenMale der Katapulten bedienten, welche sie von den sicilischen Griechenangenommen hatten, bei denen sie von ihrer Erfindung an ums Jahr 397,wie Diodor von Sicilien angiebt, durch den älteren Dionys von Syrakusin Gebrauch gekommen waren. Mauerbrecher und Maschinen dieser Artfingen die Römer erst später an zu verwenden,.
Wenn man Alles zusammenfasst, was oben über die verschiedenenZweige der Kriegskunst bei den Römern in dieser Zeit gesagt worden,so kann man über den damaligen Standpunkt derselben im Allgemeinenfolgende Schlüsse ziehen:
Die besondere Geneigtheit und Geeignetheit der Römer zum Kriege,die Notwendigkeit, zur eigenen Erstarkung und zum Schutze gegenzahlreiche Feinde unaufhörlich Krieg zu führen, die daraus hervor-gehende vielseitige Kriegserfahrung und das unablässige Streben derRömer, Alles zu vervollkommnen, was sich auf Krieg und Kriegswesenbezog, — dies Alles zusammen war die Ursache, dass die Kriegskunstschon zu dieser Zeit bei den Römern ausgezeichnete Grundlagen gewannund im Ganzen einen erheblichen Aufschwung nahm, besonders aber seitder Belagerung von Veji, — um die Mitte des vierten Jahrhundertsv. Chr. sich schon auf einer nicht unbedeutenden Höhe der Entwickelungund Vollkommenheit befand, wenigstens im Vergleich zu dem Stand-punkt derselben bei den Völkern Italiens und den italischen Griechenjener Zeit. In einigen Zweigen, namentlich in der Taktik, machte siesogar erhebliche Fortschritte und stand fast schon höher als die grie-chische Kriegskunst. So hatte die Legion schon gegen Ende dieser Pe-riode wichtige Vorzüge gegen die griechische Phalanx: 1) in Bezug aufdie staatlichen Einrichtungen dadurch, dass ihre Formation im engstenZusammenhange mit der politischen und bürgerlichen Organisation Romsstand, dem kriegerischen Sinn, Sitten und Gebräuchen der Römer ent-sprach , alle Vorzüge bezüglich der inneren Verwaltung Roms besass