Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
439
Einzelbild herunterladen
 

17. Die Römer. 439

ein Theil desselben liiess der tarpejische Felsen). Unter Servius Tulliuswar Rom schon eine grosse und stark befestigte Stadt und umschlossausser dem mons Palatinus noch sechs andere um denselben herum lie-gende Hügel (deshalb auch die Siebenhügelstadt, »urbs septicollis seuseptimontium« genannt). Die vortrefflichen und starken Befestigungenverdankte Rom überhaupt seinen Königen, welche Nichts sparten, dieStadt zu verschönern und zu befestigen, und einen grossen Theil der all-gemeinen Kriegsbeute und des öffentlichen Schatzes auf diese beidenZwecke verwendeten. Tarquinius Superbus hatte durch seine, unterAnderem auch hierfür gemachten, verschwenderischen Ausgaben denStaatsschatz erschöpft; um ihn wieder zu füllen, unternahm er unge-rechter Weise die Belagerung der reichen Stadt Ardea und gab dadurchden hiermit unzufriedenen Römern Anlass, ihn mit seinem ganzen Ge-schlechte zu verjagen (im Jahre 509 v. Chr.). Der Bau des Oapitols warschon vor dem Sturze der königlichen Gewalt beendet worden. Es be-stand eigentlich aus drei Tempeln: des Jupiter, der Juno und der Minerva,einer von dem andern durch Mauern getrennt, und hatte im Ganzen 200Fuss Länge und 185 Fuss Breite. Im Jahre 390 wurden Rom und seineBefestigungen, mit Ausnahme des Capitols, von den Galliern zerstört,bald nachher aber wieder neu aufgebaut.

Am häufigsten nahmen die Römer die feindlichen Städte durch plötz-lichen Ueberfall, durch Erstürmung vermittelst Escalade oder Erklimmender Mauern mit Leitern, indem sie aus Schilden die testudo*) (Schild-dach) bildeten, oder sonst durch verschiedene Kriegslisten. Bald aberbegannen sie zur Einnahme der Städte künstliche Arbeiten und Mittelaller Art zur Anwendung zu bringen : Minen**), Sturmschilde (die Elfte-ren wurden zum ersten Mal im Jahre 617 bei der Belagerung von Fidenäangewandt, die Letzteren bei der Belagerung von Suessa Pometia imJahre 494) etc. Aber bei alledem und trotz der vielen Belagerungen,welche sie auszuführen gezwungen waren, entwickelte sich die Belage-rungskunst bis zu der Belagerung von Veji nur langsam bei ihnen. Dielange Dauer dieser Belagerung in Folge der Stärke der Stadt und der'tapfern, hartnäckigen und geschickten Vertheidigung ihrer Einwohnerspricht auch dafür, dass die Römer zu dieser Zeit in der Belagerungs-kunst noch sehr ungewandt waren. Uebrigens ist die Belagerung von

*) Die testudo wurde gebildet, indem der stürmende Soldat mit seinem Schildeüber dem Haupte dicht an die Mauer rückte, worauf Andere, gleichfalls mit ihrenSchilden bedeckt, auf die Erstem, und dann die Dritten ebenso auf die Zweiten stie-gen u. s. f., bis sie endlich in gleiche Höhe mit der Mauer kamen und diese erstiegen.

Anmerk. d. Uebers.**) Natürlich sind nur Untergrabungen der Mauern oder unterirdische Gänge insInnere der Stadt gemeint. Anmerk. d. Uebers.