Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

438 II- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.

Armeen durch die Schnelligkeit ihrer Bewegungen aus und durch diestraffe militärische Disciplin, welche sie sowohl auf dem Marsch, wie imLager beobachteten. Sie konnten mit leichter Mühe sehr rasche und an-gestrengte Märsche ausführen, und führten sie auch aus, obgleich nieauf sehr weite Entfernungen; denn die kriegerischen Operationen derRömer erstreckten sich in jener Zeit auf einen Umkreis von nicht mehrals 100 Werst =14 Meilen von Rom, nach Norden, Osten und Süden.

§. 106.Befestigungskunst, Belagerungskunst und Kriegskunst überhaupt.

Die Befestigungs- und Belagerungskunst war bei den Römern indieser Periode noch sehr wenig entwickelt, obgleich die Regeln und Ge-setze derselben, mehr oder minder von den Völkern Italiens und den ita-lischen Griechen entlehnt, den Römern schon in frühester Zeit bekanntwaren.

So schlugen, trotz ihrer alten Gewohnheit, jede Nacht im Lager sichzu verschanzen, doch die Römer, nach Titus Livius' Angabe, ihre Lagerbis zur Zeit des Krieges mit Pyrrhus (im Anfang des 3. Jahrhundertsv. Chr.) sehr unregelmässig auf. Die Verschanzung des Lagers bestandaus Erdwällen mit Gräben davor und Pallisaden auf der Höhe der Brust-wehr, und mit Ausgängen oder Thoren. Die Römer wählten für ihr Lagermeistens ebene und offene Oertlichkeiten, sanft fallende Abhänge, bis-weilen auch Höhen oder durchschnittenes Terrain.

Die Kunst, Städte zu befestigen, war bei ihnen mehr entwickelt alsjene der Befestigung von Lagern und der Belagerung von Städten, trugaber im Allgemeinen dieselben Züge wie bei allen Völkern des Alter-thums. Mit den umfangreichsten, besten, ihrer Wichtigkeit entsprechen-den Festungsanlagen war natürlich die Stadt Rom selbst umgeben. Nachden Mittheilungen des Titus Livius und Dionys von Halikarnass war dieerste That des Romulus bei Gründung Roms das Reissen einer Furche(mit einem bespannten Pfluge) auf dem Berge Palatinus, welche ein Vier-eck umschrieb, das nach aussen mit Mauern umschlossen, nach innen mitden Häusern der neuen Stadt bebaut werden sollte. Auf den Seiten die-ses Vierecks wurden hierbei die Punkte für vier Stadtthore bestimmt; vorund hinter der von der Stadtmauer gebildeten Linie aber blieb ein freierRaum (pomoerium), der innerhalb der Mauer nicht mit Häusern besetzt,nach ausserhalb nicht als Acker bebaut werden durfte. Die Mauern,welche Romulus um das viereckige Rom (Roma quadrata) aufgeführthatte, waren Nichts weiter als ein Erdwall mit Pallisaden und Graben.Tarquinius Priscus umgab Rom mit Steinmauern und Thürmen und be-gann um 614 den Bau des berühmten Capitols oder der Burg (Cita-delle) von Rom auf dem capitolinischen Hügel (früher saturninischer,