17. Die Römer. 437
sonders die grösseren, zahlreicheren, nur selten noch vollkommen ebenesund offenes Terrain für die Schlacht finden. Deshalb bieten seit jenerZeit die Schlachten der Römer mehrfache Beispiele einer sich den ver-schiedenen Terrainformen anpassenden Aufstellung und Verwendung derTruppen, und man bemerkt in denselben häufig eine Anlehnung derFlanken der römischen Armeen an Flüsse, Berge und Wälder, an Thälerund Höhen. Uebrigens waren die Operationen der römischen Armeen inder Schlacht noch sehr einfach. Die Römer führten ihren Angriff ge-wöhnlich in paralleler Schlachtordnung aus, und wenn sie an Kräftenüberlegen waren,' meist mit beiden Flügeln zur selben Zeit oder nacheinander auf beide Flügel, Flanke und Rücken des Gegners, indem sieUmgehungen machten, um das feindliche Heer zu umfassen und von allenSeiten anzufallen. Hatte der Feind die numerische Ueberinacht, so such-ten sie denselben Erfolg durch besonders dazu entsandte Abtheilungen,gewöhnlich Reiterei, zu erlangen, welche heimlich zur Umgehung de-tachirt oder in Hinterhalte gelegt wurde. Bisweilen machten sie aucheinen keilförmigen Angriff auf das Centrum des feindlichen Heeres, inder Absicht, es zu durchbrechen und beide Flügel getrennt zu schlagen.Angriffe in schräger Schlachtordnung auf eine der Flanken des gegneri-schen Heeres kommen nicht vor. Welches aber auch immer die Angriffs-art des römischen Heeres sein mochte, die hervorragendsten Eigenthüm-lichkeiten der Schlachten der Römer seit den ältesten Zeiten waren stets:1) dass sie in ihren Schlachten fast immer angriffsweise verfuhren, nichtvertheidigungsweise, wie die Griechen; wenigstens suchten die Römerstets zuerst den Feind anzugreifen, — und 2) dass in ihren Schlachtendie Aufmerksamkeit und das Bestreben der Römer immer dahin ging,den Kampf mit immer frischen Kräften zu erneuern und zu nähren. Hierinlag der wesentliche Vorzug der römischen Taktik vor der griechischenund die bedeutende Ueberlegenheit der ersteren über die letztere.
Was die Marschbewegungen und die Ordnung der Truppenaufstel-lung im Lager anbelangt, so hatten die Römer während dieser ganzenPeriode hiervon, wie es scheint, noch sehr unvollkommene Begriffe. An-fänglich lagen sie in ihrem Lager unter freiem Himmel, später in Zeltenaus Schaffellen, in Winterfeldzügen aber seit der Belagerung von Vejiin Hütten*), aber ohne jegliche bestimmte und feststehende Ordnung.Im Lager aber, wie bei den Märschen, ergriffen sie ausserdem keine dererforderlichen Sicherheitsmassregeln und waren deshalb nicht selten un-vermutheten Ueberfallen ausgesetzt oder fielen in Hinterhalte. Ueber-haupt war der Feld- und Sicherheitsdienst ihrer leichten Truppen nochäusserst mangelhaft. Dagegen zeichneten sich andererseits die römischen
*) Aus Zweigen oder Stroh. — Anmerk. d. Uebers.