17. Die Kömer. 433
durch Bewaffnung, Formation und Kampfart von einander unterschieden.Die erste und reichste hatte, ebenso wie die griechischen Hopliten, einevollständige Schutz- und Angriffsrüstung: Helme, Brustpanzer oderPanzerhemden, Beinschienen, Schilde, Schwerter und lange Lanzen ; diezweite Klasse hatte keine Beinschienen, die dritte weder Beinschienennoch Bmstpanzer, die vierte keine Helme, die fünfte war ähnlich dengriechischen Psiloi nur mit einer Waffe zum Werfen ausgerüstet, ohnealle Schutzwaffen.
Die Reiterei war bei den Römern der Zahl nach die geringste unddie schlechteste Truppengattung, obschon sie hoch in Ansehen stand.Bis zu Servius Tullius betrug sie 1 / 10 , von dieses Königs Regierung anetwas mehr als V13 des Fussvolks. Die Gründe für diese, im Vergleichzum Fussvolk so geringe Anzahl waren: der Mangel an Pferden bei denRömern, die bergige Beschaffenheit Italiens und die Vorliebe, welchedie Römer für das Fussvolk und seinen Dienst hatten. Aus diesen Ur-sachen war auch die römische Cavallerie stets von sehr mittelmässigerGüte und bei Weitem schlechter als das römische Fussvolk. Anfängliehwar sie nur sehr einfach und leicht bewaffnet, mit einem kleinen,ledernen Schilde, einer langen, leichten und schwanken Lanze und einemSchwerte. Im Lauf der Zeit wurde ihre Ausrüstung complicirter, schwererund besser und bestand in Helm, Brustpanzer und Beinschienen, Schild,Schwert und Lanze. Die letzteren waren ziemlich leicht und gleich-massig brauchbar für die schwere und die leichte Reiterei, sogar imNothfall für den Kampf zu Fuss.
Im Allgemeinen glich die Bewaffnung der römischen Truppen jenerder griechischen, und wahrscheinlich hatten die Römer, wie die Latiner,sie von den italischen Griechen angenommen. Es ist dies um so wahr-scheinlicher, als die Römer seit der ersten Zeit des Bestehens Romsimmer von den Völkern, die sie bekriegten, Alles annahmen, was sie anBewaffnung und Organisation der Truppen dort besser fanden. So z. B.hatte Romulus schon in den ersten Kriegen mit den Sabinern von diesendie grossen Schilde übernommen, welche er statt der früheren kleinenoder argivischen eingeführt hatte.
Die ursprüngliche Aufstellung, Kampfart und Taktik überhaupt derrömischen Truppen, ebenso die Bewaffnung waren, vermuthlich aus den-selben Ursachen wie bei den Griechen, jener der Griechen gleich. DieLegion, getheilt (nach der Zahl der Tribus) in drei grosse Theile oderAbtheilungen und in 30 kleine oder Centurien, stellte sich auf undkämpfte ähnlich wie die griechische Phalanx. Die vier ersten Klassender Truppen, welche das schwere Fussvolk bildeten, standen die einedicht hinter der anderen in zwei, bisweilen drei Gliedern, — die fünfteKlasse, welche das leichte Fussvolk bildete, kämpfte in zerstreuter Ord-
Galitzin, Allgera. Kriegsgeschichte. I, 1. 28