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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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414 II. Vom Anfang der grieeh.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.

antwortlichkeit und vor der Bestrafung für Missgeschick keine kühnenund entscheidenden Unternehmungen wagten, und dass die Operationenund Kriege der Karthager demgemäss grösstentheils langsam, unent-schieden, schläfrig und matt waren. Und w T enn Karthago dennoch seineMacht und seine Grenzen so ungeheuer auszudehnen vermochte, so ver-dankte es dies in weit höherem Maasse seiner Politik und seinem Goldewie der groben Unwissenheit seiner Feinde, als der Vortrefflichkeit sei-ner militärischen Organisation und der moralischen Macht seines Heeresund Volkes. Ueber wilde, nicht organisirte Völker und über unkräftigeFeinde siegten die Karthager mehr oder minder leicht. Wo ihnen aberein wohlorganisirtes tapferes Heer unter tüchtigen Feldherren entgegen-trat, da erlitten sie grösstentheils Unfälle und Niederlagen, selbst vonSeiten eines an Kräften weit schwächeren Gegners. Die vonGelon, demälteren Dionysius und Timoleon während der sicilischen Kriege (500 bis324) über sie davon getragenen Siege bieten den besten Beweis hierfür.

§. 102.

Verschiedene Truppengattungen, Bewaffnung, Formation und

Kampfart derselben.

Die karthagischen Truppen bestanden aus Fussvolk und Reiterei,schweren und leichten, regelmässig organisirten und irregulären. DieBewaffnung, Formation und Kampfart derselben waren, wie die ganzeZusammensetzung des karthagischen Heeres, ausserordentlich verschie-denartig, denn die verschiedenen Volksstämme, welche dieses Heer bil-deten, behielten zum grössten Theile die in ihrer Heimath gebräuchlicheArt der Bewaffnung, Organisation und Kampfart bei.

Die heilige Schaar war, nach Diodor, schwerbewaffnetes Fussvolk.Die übrigen karthagischen Bürger, welche im Heere dienten, bildeten dieschwere Reiterei.

Die Liby-Phönizier fochten zu Fuss und zu Pferde, und zwar alsschweres Fussvolk, resp. als schwere Reiter.

Gleich ihnen war auch die Schaar der eigentlichen karthagischenBürger mit langen Lanzen bewaffnet und hatte gegen Ende dieser Periodeeine geregelte Organisation.

Die hispanischen (iberischen) Söldner bildeten ein vorzügliches schwe-res Fussvolk, zum Theil auch schwere Reiterei. Ihre Hauptwaffe warein grosses Schwert, gleichmässig zu Hieb und Stich brauchbar.

Die Gallier fochten (bis zu den punischen Kriegen) zu Fuss und fastnackt. Ihre Hauptwaffe war ein nur zum Hieb geeignetes Schwert.

Die balearischen Schleuderer, eine Specialität der karthagischenArmeen jener Zeit, zeichneten sich durch ungewöhnlich kräftigen und