16. Die Karthager. 413
lierheer werben und aufstellen konnte. Innere Kriege aber waren für ihnnoch viel gefährlicher als äussere und brachten ihn nicht selten an denRand des Verderbens.
Man muss diesem noch die erheblichen Mängel der Besetzung derBefehlshaberstellen im karthagischen Heere hinzufügen. Die Anführerwurden vom Volke gewählt (und zwar stets aus Karthagos eigenen Bür-gern) , aber meist nicht nach ihrer persönlichen Befähigung und Begabung,nicht nach ihrer Auszeichnung und ihren Verdiensten um das Vaterland,sondern nach der besonderen Laune und Gewogenheit des Volks oder derherrschenden politischen Partei, nach Adel der Geburt oder Keichthum,durch Verbindungen oder Intriguen. Der beständige Kampf der politi-schen Parteien und der wechselnde Triumph der einen über die andere,die Missgunst des Volkes über die Siege und Eroberungen der geschick-ten oder vom Glück begünstigten Feldherren, noch mehr aber die Besorg-niss, dass die Heerführer ihre Macht gegen die Freiheit Karthagos an-wenden könnten, — das Alles war Grund, dass die Befehlshaber oft ge-wechselt wurden, sogar mitten im Kriege, selbst inmitten einer Kriegs-operation, dass man ihnen die verlangten Verstärkungen und Geldmittelversagte, sie auf alle Weise kränkte und endlich ihre Macht vollkommenbeschränkte. Ausserdem war die militärische Gewalt, die von der staat-lichen ganz getrennt stand, dadurch eingeengt, dass in Kriegszeiten beiden Anführern der Armeen beständig sich vom Senat speciell ernannteMagistratspersonen befanden, um die Handlungen derselben zu über-wachen, und dass sie diesen mehr oder minder unterstellt waren. Seit-dem aber ein Feldherr, Namens Malchus, versucht hatte, die oberste Ge-walt in Karthago an sich zu reissen und sie in eine unbeschränkte mili-tärische zu verwandeln, wurde im fünften Jahrhundert 'zwischen 480 und410) ein oberster Bathshof (Gerusia) *), aus 100 Senatoren bestehend,eingesetzt, der zum Schutz der Staatsverwaltung und Einrichtungen gegenherrschsüchtige Aristokraten und namentlich gegen Heerführer bestimmtwar. Dieser Bath der Alten hatte seinen ständigen Sitz in Karthago, lei-tete von dort aus den Krieg und die Kriegsoperationen, selbst in den ent-ferntesten Gegenden, entwarf den Kriegsplan, forderte von den Feld-herren pünktliche und unbedingte Ausführung desselben und bestraftedie Heerführer streng, nicht selten sogar grausam für Abweichungen vondemselben, für unglückliche Unternehmungen und Niederlagen. Die na-türliche Folge davon war, dass die Kriegspläne dieses obersten Baths-hofes selten den factischen Verhältnissen entsprachen, welche im Kriegesich ja beständig ändern, dass die Feldherren aus Furcht vor ihrer Ver-
*) -fepouaio:, Eathsversammlung der Alten, — bei den Spartanern, Acbäern undauch Karthagern.—Anmerk. d. Uebers.