16. Die Karthager. 411
zugsweise bei der Reiterei; denn der Kostspieligkeit halber war bei die-ser Waffe zu dienen nur reichen Leuten möglich und galt für besondersehrenvoll; ein anderer Theil bildete eine besondere auserlesene und an-gesehene Fusstruppe, die heilige Sc haar genannt. Diese karthagischeheilige Schaar bildete, wie es scheint, die Leibwache für den oberstenHeerführer, eine praktische Militärschule für die angesehenen Karthagerund Pflanzschule für die karthagischen Feldherren und Anführer, undzeichnete sich durch die Pracht ihrer Kleidung und Bewaffnung ebensoaus wie durch ihre Tapferkeit.
In Fällen von besonderer Wichtigkeit oder grosser Gefahr waren in-dessen auch die übrigen Bürger Karthagos und der anderen karthagischenStädte verpflichtet, zu den Waffen zu greifen. Bei solcher Gelegenheitkonnte die Stadt Karthago allein 40,000 Mann Fussvolk und 1000 Reiteraufbringen.
Die zweite Stelle nächst den eigentlichen karthagischen Truppennahmen die Truppen der afrikanischen Tributäre Karthagos ein, welcheder Vermischung von Karthagern mit den eingeborenen Afrikanern ent-stammten und in der Geschichte unter dem Namen der Liby-Phönizierbekannt sind. Dieser Truppen waren weit mehr, als der eigentlichenkarthagischen.
Aber den weitaus grössten Theil des karthagischen Heeres bildetendie fremdländischen Miethsvölker. Die Karthager warben sie in den ent-gegengesetztesten Gegenden Afrikas und Europas an, aus den Stämmenverschiedenster Abstammung, in der Absicht, wiePolybius sagt, um durchsolche Anwerbung einander ganz fremder Nationalitäten, welche gegensei-tig ihre Sprache nicht verstanden, Verschwörungen, Verrätherei und Empö-rungen vorzubeugen. Diese Anwerbung von Söldlingen in Afrika und Eu-ropa erfolgte durch besonders zu diesem Zweck von der Regierung abge-sandte Senatoren, welche mit den Regierungen der Völker und den Häupt-lingen der Stämme Verträge über die Miethe einer bestimmten Truppenzahlbei ihnen, sowie über die Summe, welche zu zahlen, abschlössen. DiebestenSöldner von diesen fremden Stämmen, nach Organisation und militäri-scher Ordnung, waren die hispanischen (iberischen) Truppen. Die galli-schen, welche schon seit sehr früher Zeit bei den Karthagern um Solddienten, gehörten zu den tapfersten. Der Zahl nach stellten die Noma-denstämme die meisten karthagischen Miethstruppen; diese Nomadenhausten in ganz Nordafrika, von Aegypten bis zum westlichen Ocean.
Ueberhaupt boten die karthagischen Heere ihrer Zusammensetzungnach viele Aehnlichkeit mit den persischen: denn wie die Letzteren fastalle Völker des Ostens in ihren Reihen hatten, so die Ersteren fast alleVölker des Westens. Ihre Zusammensetzung vorzugsweise aus Mieths-völkern erklärt auch hinlänglich, warum sie meist numerisch so bedeu-