Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
410
Einzelbild herunterladen
 

410 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.

und Küstenländer des westlichen mittelländischen Meeres auszubreiten,hatte auch die militärische Organisation desselben ihre höchste Ent-wicklung erreicht und bietet im Allgemeinen folgende Hauptzüge dar:

Die geographische Lage und die Handelspolitik Karthagos, die fastununterbrochen von ihm geführten Kriege und der Schutz seiner eigenenBesitzungen hatten wahrscheinlich schon in früher Zeit die Gründungund Unterhaltung einer starken Flotte, sowie eines zahlreichen, ingewisser Weise stehenden Landheeres erforderlich gemacht. Da Kar-thago aber vorzugsweise ein Handelsstaat war, so schonte er das Le-ben seiner eigenen Unterthanen und zog vor, fremde Söldner zur Führungseiner blutigen Kriege zu miethen, und dies um so lieber, als die Unter-haltung von Miethstruppen zugleich ihm als Mittel zur Verbindung mitden verschiedenen, selbst den entferntesten Völkern und zur Gründungvon Handelsbeziehungen mit ihnen diente. Aus diesem Grunde warenFlotte und Heer der Karthager vorzugsweise aus fremden Miethstruppenzusammengesetzt; und bei keinem der Völker des Altertlrums war es sogebräuchlich, Miethstruppen zu unterhalten, als bei den Karthagern.

Ihre Streitkräfte zur See nahmen den ersten Platz ein und warensehr bedeutend. Das Centrum derselben war die Stadt Karthago selbst.Hier befanden sich ein stark befestigter Kriegshafen der Hauptauf-enthalts- und Zufluchtsort der karthagischen Flotten, zahlreiche See-arsenale und Etablissements, Werfte etc. Die Kriegsschiffe waren (biszu den punischen Kriegen) gewöhnlich Triremen, deren Zahl zur Zeit dersicilischen Kriege sich auf 150 bis 200 belief. Auf den Kriegsschiffen be-fanden sich, bei den Karthagern wie bei den Griechen, theils Landtrup-pen, theils Ruderer (von den Ersteren etwa 1 / i , von den Letzteren etwaa / 4 ). Die Ruderer waren Sklaven, von der Regierung dazu besondersangekauft, und wahrscheinlich zum grössten Theil beständig, auchim Frieden, unterhalten. Die karthagischen Flotten hatten ihre eigenenAnführer, unterschieden von den Befehlshabern der Landtruppen, und denLetzteren nur bei gemeinschaftlichen Actionen der Flotten und des Heeresuntergeordnet; Am entgegengesetzten Fall hingen sie ab und empfingenalle Befehle unmittelbar vom Senat.

Karthagos Streitkräfte zu Lande nahmen den zweiten Platz ein, ob-schon sie sehr zahlreich waren. Sie waren in sehr verschiedenartigerWeise zusammengesetzt, indem sie nämlich bestanden : 1) aus den eige-nen Bürgern Karthagos, 2) aus den verschiedenen Tributären und Ver-bündeten des Staates und 3) aus den fremden Söldlingen.

Am wenigsten waren im Heere die karthagischen Bürger vertreten.Eine nur unbedeutende Anzahl derselben, meist aus den edelsten, reich-sten und angesehensten Geschlechtern, diente im Heere, und zwar vor-