Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
402
Einzelbild herunterladen
 

402 II- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.

diesem Feldzuge, wie in den ersten Anfangs- und den später folgendenOperationen, in seinem ganzen Zusammenhange und Umfange, wie in. den kleinsten Details.

Indessen ist hier zu bemerken, dass bei dem Rückzuge vom Hy-phasis zu den Mündungen des Indus und von da nach Persien, wie auchin den folgenden Operationen bis zu seinem Tode Alexander schon nichtmehr so sehr als Feldherr und Eroberer erscheint, als vielmehr als Herr-scher , der sich eingehend mit der Befestigung seiner Eroberungen unddem Wohlergehen seines Reiches beschäftigt.

Als Feldherr war er gezwungen gewesen, schon am Hyphasis, alssein Heer ihm weiter über diesen Strom zu folgen verweigerte, seinemVordringen nach Osten eine Grenze zu setzen. Zum ersten Male stiesser auf eine solche Opposition, die er nicht im Stande war, zu überwin-den, weder durch Strenge, noch durch Milde, und sich ins Unabänder-liche fügend, trat er den Rückzug an, den er nun mehr .nach politischenund Handels-Gesichtspunkten als nach kriegerischen leitete.

§. 100.

Allgemeine Betrachtungen über Alexander als Feldherr und über die

Art und Kunst seiner Kriegführung.

Wir schliessen die Darstellung der Feldzüge Alexander's des Gros-sen durch einige allgemeine Betrachtungen über ihn selber als Feldherrund über die Art und Kunst seiner Kriegführung.

Wir wenden uns hierbei zuerst zu dem besten, gewissenhaftestenund wahrhaftigsten von allen seinen Historikern, dem gedankentiefenPhilosophen und im Kriegswesen wohl unterrichteten und erfahrenenArrian. Er schildert Alexander folgendermassen*): »Von Körper war ersehr schön und äusserst thätig und rasch; von Gesinnung höchst mannhaftund in hohem Grade ehrgeizig und gefahrliebend und um die Götter be-sorgt ; in sinnlichen Genüssen sehr enthaltsam ; in geistigen für den Ruhmallein ganz unersättlich ; sehr geschickt, aus dem noch Ungewissen dasErforderliche herauszufinden; höchst glücklich, aus dem Vorliegendenauf das wahrscheinlich Erfolgende zu schliessen, und erfahren wie Keinerim Stellen, Bewaffnen und Ausrüsten eines Heeres; den Muth der Sol-daten zu steigern. sie mit guten Hoffnungen zu erfüllen und die Furchtin den Gefahren durch seine eigene Furchtlosigkeit zu entfernen zudiesem Allen wie geboren; daher denn auch, wo es galt, aufs Ungewissezu handeln, mit der grössten Zuversicht zu Werke gehend; und wo es da-rauf ankam, dem Feinde einen Vortheil abzugewinnen, Meister im Ueber-raschen, noch ehe man sich der Art etwas versah; im Halten von Ver-

Feldziige Alexander's, siebentes Buch, §. 28.