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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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15. Die Feldziige Alexander's d. Gr. 401

ergänzt und eine hinreichende Zahl von Transportmitteln gewonnenwurden. Danach ward im Winter 325 auf 324 Hephästion mit einerbedeutenden Truppenmacht, Saumthieren und Elephanten von Karama-nien längs der Seeküste nach Persien gesandt, Nearch begleitete ihn mitder Flotte am Ufer, und Alexander selbst mit den leichten Truppen, denHetären und dem Corps der Bogenschützen schlug den Weg nach Pasar-gadä*) ein. und von da nach Persepolis und Susa, wo er im Februar324 eintraf. Hier theilte er nun mit grossartiger Freigebigkeit Beloh-nungen an sein Heer aus: er bezahlte alle Schulden seiner Soldaten,vom Feldherrn bis zum Gemeinen herab, nach Arrian eine Summevon mehr als 20,000 Talenten (ungefähr 28 Millionen Silberrubel = ca.30 Millionen Thaler) , den aus dem Dienste Entlassenen wurde dienoch fällige Löhnung und der tägliche Sold bis zum Eintreffen in dieHeimath, ausserdem aber Jedem 1 Talent ausgezahlt; sie wurden bis anihr Lebensende mit bedeutenden und ehrenvollen Vorrechten beliehen,den obersten Feldherren(Hephästion, Nearch, Peucestas. Onesikritus etc.),und ebenso allen macedonischen königlichen Leibwächtern überreichteer goldene Kränze. Dann befuhr und besichtigte er persönlich den per-sischen Meerbusen und die Mündungen des Tigris und Euphrat, steuerteden Tigris hinauf bis zur Stadt Opis in Medien (etwas oberhalb desheutigen Bagdad) und besuchte dann Ekbatana, überall sich mit der in-neren Einrichtung der eroberten Provinzen beschäftigend und bemüht,Macedonier und Griechen mit den Asiaten zu einem Volke zu verschmel-zen ; zu diesem Zweck formirte er auch neue, nach europäischem Musterbewaffnete und eingetheilte asiatische Truppen. Während dessen voll-führte er selber noch einen Zug gegen die Kossäer, einen wilden räube-rischen Stamm an der Südgrenze Mediens, unterjochte sie binnen 40Tagen gänzlich, nahm Geissein von ihnen und erbaute in ihrem Landeeine feste Burg. Dann ging er nach Babylon, wo er zu einem neuenZuge gegen Arabien zu rüsten begann, aber hier erkrankte er undstarb, nachdem er schon zwölf Jahre lang durch rastlose Anstrengungund Thätigkeit seine Gesundheit untergraben hatte, am 11. Juni 323. im33. Jahre seines Lebens, das von grossen und wunderbaren Thaten er-füllt gewesen war!

Sein letzter Feldzug vor seinem Tode, in Indien, ist noch im höch-sten Grade von Interesse, wenn auch nur sehr kurz. In derThat, eswar, als ob das Genie Alexander's, bevor es für immer erlöschen sollte,noch einmal in neuer, erhöhter Kraft aufflammte, in neuem, vermehrtem,hellerem Glänze strahlte, und zwar sowohl in den Vorbereitungen zu

*) Pasargadä lag-, wie angenommen wird, in der Ebene des heutigen Murghab,südöstlich von Schiraz und südlich des Sees Bachtegan.

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,1. ' 26