400 n. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
sich diese Transportmittel dadurch verminderten, musste nothwendigerWeise eine Menge von Kranken und Schwachen liegen bleiben. Eine grosseAnzahl der Zurückbleibenden kam um, verirrt in der Wüste. Oft fiel einsolches Uebermaass von Regen, dass das Lager der Truppen vollkommenunter Wasser stand. Mehr als einmal verirrte sich das Heer in der Einödeund fand nur mit Mühe die rechte Richtung wieder. Aber inmitten allerdieser Noth ging Alexander, selbst aufs Aeusserste erschöpft und schwach,gewöhnlich zu Fusse an der Spitze seiner Truppen und gab ihnen per-sönlich das Beispiel des Muthes, der Ausdauer und der Geduld*).
Endlich, nach 70 oder 80tägigem Zuge von der Mündung des Indusdurch Gedrosien, langte Alexander in Puraan, der Hauptstadt der Gedrosier(dem heute noch so heissenden Pura in der nordwestlichsten Provinz vonBalutschistan, Kohistan), und gab dem gänzlich erschöpften Heere Ruhe.
Nach Ansicht der alten Historiker konnten alle Leiden und Mühsalezusammen genommen, die Alexander's Heer in Asien erduldet hatte,nicht entfernt mit dem verglichen werden, was es hier bei dem einenZuge durch Gedrosien zu erleiden hatte, und Alexander war doch nurdurch den vierten Theil der Wüste gezogen. Plutarch giebt an, dassAlexander bei diesem einen Feldzuge ungefähr 100,000 Mann verlorenhabe; — das ist aber sehr übertrieben, denn bei seinem Ausmarsch ausIndien, von der Mündung des Indus an, belief sich, nach Plutarch's eignerBerechnung, sein Heer auf im Ganzen etwa 125,000 Mann Infanterieund 15,000 Mann Cavallerie. Von diesen wurde ein Theil auf derFlotte eingeschifft, ein anderer unter Kraterus nach Karamanien entsandtund der dritte und grösste wahrscheinlich nicht mehr als 60,000—70,000Mann) zog nach Gedrosien. Folglich kann, selbst wenn man annimmt,dass von dieser Anzahl nur V 4 heimkehrte (d. h. also 15,000—17,500Mann) dennoch der ganze Verlust Alexander's nur 45,000—52,500 Mannbetragen, eine Zahl, die zwar sehr bedeutend, aber doch erheblich ge-ringer erscheint, als die von Plutarch angegebene. .,,
Nachdem sich das Heer in Pura erholt hatte, zog Alexander nachKaramanien (die heutige südöstlichste Provinz von Persien, Kirman),welche westlich von Gedrosien sich längs der Meeresküste dehnt, Wüsteim Norden, aber reich, fruchtbar und schön in Felder und Weingärteneingetheilt im Süden. In Karamanien stiessen zu Alexander: Kraterusmit seinen Truppen und Elephanten, Kleander, Sitalces und Herakon mitden in Medien zurückgebliebenen Truppen, ausserdem eine Menge Ka-meele und Lastthiere, durch welche die Lücken an Mannschaften wieder
*) Hier soll auch die bekannte Scene heroischer Entsagung Alexander's vor-gekommen sein, der das einzige aufgefundene und von Soldaten ihm überbrachteWasser vor Aller Augen ausschüttete. — Anmerk. d. Uebers.