15. Die Feldzüge Alexander's d. Gr. 397
noch im Heere wären, wie sehr ihre Kräfte und ihr Eifer erschöpft seien,wie sehnsüchtig sie nach der Heimath zurückzukehren verlangten, umnach all' den Mühen sich der Ruhe hinzugeben und der erworbenen Reich-thümer zu gemessen, wie unverständig es sein würde, sie gegen ihrenWillen zum Weitergehen zwingen zu wollen, endlich wie nothwendig esfür Alexander selbst sei, Mässigung und Vorsicht zu zeigen und, da erkeine Feinde mehr zu fürchten brauche, sieh dennoch vor plötzlicherWendung seines Geschickes und seines Glückes zu hüten. Alexander gabhierauf keine Antwort und wartete drei Tage lang, dass das Heer sichbesinnen und seine Ansicht ändern werde. Aber da das nicht geschah,so erklärte er endlich seine Einwilligung zur Rückkehr und erregte da-durch im Heere allgemeine Freude und die grösste Dankbarkeit.
§. 99.Letzter Feldzug und Rückkehr aus Indien nach Persien (326—325).
An den Ufern des Hyphasis Hess Alexander als Denkzeichen für dieäusserste Grenze seiner Eroberungen zwölf hohe Opferaltäre errichten(»Alexandri arae«), Thürmen ähnlich, und brachte auf ihnen Opfer dar,Hess gymnastische Spiele und Pferderennen abhalten, theilte alle Länderbis zum Hyphasis dem Porus zu und kehrte dann auf demselben Wegeüber den Hydraotes an die Stelle zurück, wo Hephästion die neue Stadterbaut hatte. Hier nahm er die Unterwerfung des indischen Königs Abi-sares an, ging dann über den Acesines und kam bei Kicäa und Buce-pbalia am Hydaspes an. Von dem Wunsche getrieben, eine Handelsstrasseaus Mittelasien über den Ocean und auf dem Indus nach Indien zu er-öffnen, beschloss er, hier auf dem Hydaspes eine Flotte zu bauen, aufihr zum Indus und den Indus hinab zum Ocean zu fahren und dabei aufsGenaueste alle am Wege liegenden Gegenden und Orte zu erkunden.Während einiger Monate (Ende 326 und Anfang 325) wurden auf demHydaspes theils von den indischen Stämmen zusammengebracht, theilsneu gezimmert, — durch ionische, cyprische, phönizische, ägyptischeund andere im macedonischen Heere befindliche, von Seeküsten gebür-tige Arbeiter —■ ungefähr 2000 Schiffe verschiedener Art und Grösse,Kriegsschiffe und Transportschiffe für Pferde und Vorräthe. Als dieseFlotte fertig war, steuerte Alexander mit den Hypaspisten, Bogen-schützen, Agrianern und berittenen Agematen auf ihr den Hydaspes hinabzum Indus und den Indus hinunter zum Ocean, am rechten Ufer voneinem Theil des Fussvolks und der Reiterei unter Kraterus' Befehl, —auf dem linken Ufer von der Hauptmacht des Heeres mit 200 Elephantenbegleitet, unter Führung von Hephästion. Sieben Monate dauerte die Fahrtund der Zug (im Jahre 325) den Hydaspes und den Indus hinab (durchdas heutige Gebiet der Sikhs und den Sindh); sehr oft war Alexander ge-