15. Die Feldzüge Alexanders d. Gr. 395
Hydraotes (nahe dem heutigen Lahore oder Loharij und unterwarf einen.Theil der am Ufer ansässigen Einwohner. Hier erfuhr er, dass dieKathäer, Oxydraker, Mallier und viele andre freie, kriegerische indischeStämme mit einander ein Bündniss gegen ihn geschlossen hätten und sichunter den Mauern der Festung Sangala*) sammelten, am linken Ufer desHypanis, des vierten Nebenflusses vom Indus (heute der Bedja oderVjasa). Alexander brach sofort im raschen Zuge dorthin auf. Nach zweiTagemärschen kam er vor der Stadt Pimprama an, deren Einwohner sichihm unterwarfen, — gab dem Heere dort 24 Stunden Ruhe und traf amfolgenden Tage vor Sangala ein. Die Indier hatten auf den Höhen nahedieser Festung sich aufgestellt und mit einer dreifachen Eeihe vonWagen umschanzt. Alexander stürmte anfänglich mit Reiterei dagegenan; aber da er von der Höhe der Wagen herunter mit einem Hagel vonGeschossen empfangen ward und einsah, dass Cavallerie hier Nichtsmachen könne, führte er die Phalanx gegen den schwächsten Theil derBefestigung (Wagenburg) vor. Die Indier wurden aus der ersten Reiheder Wagen leicht geworfen, vertheidigten sich aber in der zweiten Liniederselben hartnäckigst^ als sie auch aus dieser herausgedrängt waren,zogen sie sich unter Verlassung dieses befestigten Lagers nach Sangalazurück und schlössen sich hier ein. Alexander umstellte die Stadt sogleichmit Fussvolk und Reiterei. In der folgenden Nacht versuchten die Indieraus Sangala zu entfliehen; sie stiessen aber auf macedonische Reitereiund wurden zum Theil niedergemacht: die Anderen wandten sich nachSangala zurück. Nun warf Alexander rings um die ganze Stadt einedoppelte Reihe von Erdwällen mit Gräben auf, die nur an einer Stelledurch Sumpf unterbrochen wurde; hierher aber stellte Alexander doppelteWachen. Dann begann er Mauerbrecher - Maschinen gegen die Mauernder Festung heranzuführen. Ueberläufer brachten bald darauf die Nach-richt , dass die Indier beabsichtigten in der Nacht aus Sangala auszu-fallen und zwischen der Wache und dem Sumpf durchzubrechen. Alexan-der stellte deshalb insgeheim dort noch den Ptolemäus auf mit 3000Hypaspisten, einer Abtheilung Bogenschützen und allen Agrianem, mitder Instruction, die Indier aufzuhalten und inzwischen ein Trompeten-signal zu geben, worauf die übrigen Heerestheile sofort zur Unterstützungherbeieilen sollten. Ungefähr uni die vierte Nachtwache (drei Uhr Mor-gens) gingen die Indier wirklich aus der Festung heraus und nahmenihre_ Richtung zum Sumpfe hin; aber da sie auf die Macedonier stiessen,welche sie von allen Seiten bedrängten, so wurden sie zurückgeworfenund mussten mit einem Verlust von mehr als 500 Mann in die Festung
*) Sangala lag gegenüber dem heutigen Ghureipur (Firuzpur) oder doch unweitdesselben.