15. Die Feldzüge Alexanders d. Gr. 393
nen Indier verfolgt. Der Verlust, den diese erlitten, war ungeheuer,23,000 Mann (20,000 Mann vom Fussvolk, 3000 Reiter) waren gefallen,darunter des Porus Sohn, alle Truppenbefehlshaber, die Führer derElephanten und die Lenker der Streitwagen. Die Streitwagen selbst unddie am Leben gebliebenen Elephanten mit zahlreichen Gefangenen undeiner reichen Beute fielen in die Hände der Sieger. Porus selbst hatteaussergewöhnlichen Muth und Tapferkeit gezeigt und wie ein gemeinerSoldat bis zum letzten Augenblick gekämpft, war verwundet und konntenur mit Mühe schliesslich bewogen werden, sich an Alexander zu ergeben.Seinen Muth ehrend, gab ihm Alexander nicht nur seine Freiheit, son-dern setzte ihn auch wieder als König in sein Reich ein, welches er inder Folge noch erheblich vergrösserte; so dass, nachdem er Porus mitGewalt der Waffen besiegt hatte, er ihn nun auch durch Grossmuth über-wand und auf diese Weise einen treuen und ergebenen Bundesgenossenan ihm gewann.
So war also das Resultat der Schlacht am Hydaspes die totale Nie-derlage des Porus und der vollkommene Sieg Alexander's. Aber dieserSieg war ihm theuer zu stehen gekommen, und hatte ganz unzweifelhaftunverhältnissmässig grössere Mühe und Anstrengung gekostet, als jenedrei früheren Schlachten gegen die Perser am Granikus, bei Issus undbei Arbela. Die Schlacht am Hydaspes war die heisseste von allenSchlachten Alexander's: in keiner der vorhergegangenen hatte er einenso tapfern und hartnäckigen Widerstand zu überwinden gehabt, nochwar er gezwungen gewesen, alle seine Kräfte bis aufs Alleräusserste an-zuspannen, sein ganzes Genie einzusetzen. Deshalb gehört auch dieSchlacht am Hydaspes und der unmittelbar vorhergehende UebergangAlexander's über diesen Fluss zu den allerkühnsten, geschicktesten undglänzendsten Kriegsthaten dieser Art und kann in des Wortes vollsterBedeutung mustergültig genannt werden. Besonders hervorzuhebensind: 1) die Geschicklichkeit, mit welcher Alexander an verschiedenenStellen die Teten seiner Truppen gezeigt und dann die Letzteren so ver-theilt hatte, dass sie leicht und rasch an jedem beliebigen Punkte desUfers concentrirt werden konnten; 2) alle die Kriegslisten, welche Alexan-der anwendete, um Porus irre zu führen und seine Wachsamkeit zu ver-mindern : 3) die Auswahl des Ortes zum Uebergang; 4) die Zurücklas-sung des Kraterus und Meleager, die ihnen ertheilten Anweisungen, so-wie überhaupt alle die Anordnungen für den Flussübergang und dieSchlacht; 5) der Uebergang und die Schlacht selbst, wobei die Indier zu-erst in der Flanke und im Rücken, und endlich auch in der Front ange-griffen wurden; und endlich 6) die ausgezeichneten Thaten in der Schlachtam Hydaspes, nicht der Macedonier und Griechen allein, sondern auchder asiatischen bei Alexander befindlichen Truppen. Diese Truppen,