14. Die Feldzüge Alexander's d. Gr. 375
haben würde; aber das ihm vorgesetzte Ziel rechtfertigte alle Opfer dieserArt vollkommen. Wenn es aber seltsam scheinen könnte, dass Alexander,der König und Feldherr, die Obliegenheiten eines blossen Avantgarden-Commandeurs übernahm, so erklärt sich das vollkommen und wird gerecht-fertigt durch die ungewöhnliche Leidenschaftlichkeit und Ungeduld seinesCharakters, durch seine Vorliebe für alles Aussergewöhnliche, seine Ver-achtung von Mühen und Gefahren und den hochherzigen Eifer, mit wel-chem sein edler Sinn den unglücklichen Darius zu retten strebte *).
Er befahl, dass der Leichnam des Darius mit allen seiner könig-lichen Würde zukommenden und bei den Persern üblichen Feierlichkeitenin Persepolis bestattet werde, erklärte sich zu seinem Nachfolger undvereinigte dann alle seine zurückgebliebenen Truppen bei Hekatompylos,von wo er nun gen Norden nach Hyrkanien (Mazenderan) zog. Um dieseProvinz rascher und leichter zu unterwerfen, zugleich auch, um die grie-chischen Söldner, welche bis dahin in Darius' Diensten gestanden hattenund sich jetzt in den Gebirgen und Schluchten zwischen Parthien undHyrkanien verborgen hielten, zur Uebergabe zu zwingen, theilte er seinHeer in drei Theile. Kraterus schickte er mit dem einen Theile durch dasGebiet der Tapurer, den Erigyius mit dem andern Theile nebst allenWagen und Packrhieren auf dem weiteren Wege durch die Ebene, erselbst schlug mit dem dritten und stärksten Theile, vorzugsweise ausleichten Truppen bestehend, den beschwerlichsten aber kürzesten Wegüber das Gebirge ein. Als Wiedervereinigungspunkt wurde allen dreiAbtheilungen Zadrakarta (oder Zeudrakarta) in Hyrkanien bestimmt (inder Gegend des heutigen Barfurusch in Mazenderan). Die Eesultate wa-ren : der ungestörte Einmarsch Alexanders, Kraterus' und Erigyius' inHyrkanien, ihre Vereinigung bei Zadrakarta und die gutwillige Unter-werfung der Tapurer, vieler persischer Satrapen und Grossen, und end-lich der griechischen Miethstruppen in einer Stärke von ungefähr 1500Mann. Die persischen Satrapen und die vornehmen Perser, welche demDarius bis an sein Lebensende treu geblieben waren, nahm er mit allenEhren auf und belohnte sie, die griechischen Söldner traten gegen Lohnin seinen Dienst. Dann nahm Alexander die Hypaspisten, Schützen,Agrianer und einen Theil der Hetären, der Phalanx und der leichtenReiterei und führte einen raschen Einfall aus in das Gebiet des kriegeri-schen Stammes der Marder, das zwischen Hyrkanien'und Medien [nord-westlich von dem heutigen Teheran) lag und mit hohen Gebirgen und
*) Es dürften wohl noch zwei Beweggründe Alexander's Verhalten beeinflussthaben : die Ueberzeugung, dass doch keiner seiner Feldherren mit gleicher Energieund Ausdauer verfolgen und die Soldaten anfeuern könne, als er selbst; — und dassden persischen König, seinen Nebenbuhler, gefangen zu nehmen, wohl seiner selbstund allein würdig sei. — Anmerk. d. üebers.