364 H- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
auf. Und endlich, als er sich den Persern genähert hatte, welche gleich-falls in Schlachtordnung formirt standen. verschob er, dem Rathe Par-menio's folgend, den Angriff abermals auf den folgenden Tag und be-schränkte sich an diesem Tage auf eine sorgfältige Recognoscirung desTerrains und der feindlichen Stellung.
Das persische Heer, das diesen und die vorhergehenden Tage in Un-thätigkeit verbracht hatte, war auf einer weiten offenen Ebene aufge-stellt, welche sich nördlich von Gaugamela ausdehnte und nach Westendurch eine niedrige Hügelkette begrenzt war. Auf dem linken Flügeldesselben von der Flanke bis zum Centrüm standen die Baktrier, Daher,Arachoten, Perser, Susier und Kadusier, zu Pferde und zu Fuss, — vorihnen die baktrische und scythische Reiterei, gedeckt durch 100 Streit-(Sichel-) Wagen. Im Centrum des Heeres befand sich Darius selbst,umgeben von seinem Hofe, vor ihm 50 Streitwagen, 15 Elephanten unddie auf ihnen vertheilten mardischen Bogenschützen. Auf beiden Seitenvon Darius und seinem Gefolge standen in der Linie der Schlachtordnungdie Indier, Karier, 15,000 Unsterbliche und 20,000 Mann des grie-chischen Mieths-Fussvolkes. Auf dem rechtenFlügel vom Centrumzur Flanke standen die Sakasiner, Albaner, Hyrkanier, Tapurer. Saker,Parther, Meder, Mesopotamier und Cölesyrier. Vor dem rechten Flügelbefand sich die armenische und kappadocische Reiterei , gedeckt durch50 Streitwagen. Hinter der Linie endlich, in zweiter Linie, standen dieUxier, Babylonier, Araber und viele andere Contingente. Wie das Fuss-volk, so waren auch die Reiter zusammengedrängt in grosse, dichte, tiefeMassen. In dieser Aufstellung hatten die Perser, in Erwartung erst desAngriffs bei Tage, dann eines Nachtangriffs den ganzen 1. October unddie ganze Nacht zum 2. unter den Waffen zugebracht, was Mannschaftenwie Pferde ausserordentlich ermüdet hatte.
Nach beendeter Recognoscirung des Terrains und der Stellung derPerser hielt Alexander eine kurze kräftige Anrede an seine Unterfeld-herren, entflammte ihren Muth und befahl dann. voller Zuversicht inihre Tapferkeit, dass das Heer erst durch Nahrung sich stärken und dannin derselben Ordnung ruhen solle, in welcher es vorher marschirt war.Parmenio schlug vor, man solle einen nächtlichen Ueberfall gegen diePerser machen, Alexander aber wollte dies nicht, theils deshalb, weiler eine solche Art des Angriffs seiner und seines Heeres unwürdig er-achtete, theils auch deshalb, weil die Perser, in Erwartung eines nächt-lichen Angriffs dagegen ihre Massregeln getroffen hatten. In dieser Nachtschlief Alexander so fest, dass bei Tagesanbruch Parmenio ihn kaum zuerwecken vermochte, — ein Umstand, welcher seine vollkommene Seelen-ruhe beweist und deutlich zeigt, wie fest er entschlossen und zugleichüberzeugt war zu siegen. Noch am Tage vorher hatte er bei seiner Re—