348 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Alexander hatte alle Städte auf dem Wege von Milet nach Halikar-nass in Besitz genommen und schritt nun zur Einscldiessung und Be-lagerung dieser letzteren. Diese Belagerung, — eine der berühmtestenunter den von Alexander ausgeführten, in Bezug auf die eigentliche Be-lagerungskunst, — dauerte indessen, trotz aller Kunst, welche Alexanderaufbot, trotz aller der ausserordentlichen Anstrengungen und der Tapfer-keit der macedonischen Truppen, ziemlich lange, weil die Oertlichkeitsehr viel Schwierigkeiten bot, die Festungswerke sehr stark waren unddie Vertheidigung äusserst hartnäckig geführt wurde; sie war sehr blutigund kostete Alexander einen ziemlich grossen Verlust an Menschen.Zweimal hätten seine Truppen fast Halikarnass mit Sturm genommen.Aber das erste Mal hatte sich nur ein Theil der Truppen am Sturm be-theiligt, und das zweite Mal gab Alexander, um die Stadt zu schonen,welche er ohnehin bald zur Uebergabe zu zwingen hoffte, den Befehlzum Abbrechen des Gefechts. In der That mussten Memnon und derunter ihm commandirende Perser Orontobates sich bald davon über-zeugen, dass die Mauern zerstört oder stark beschädigt und die Be-lagerten durch die grosse Zahl der Verwundeten und Erschlagenenzu sehr geschwächt seien, um noch lange Widerstand leisten zu können,— sie zündeten daher die Stadt an und verliessen sie, indem sie sich inzwei feste Burgen zurückzogen, welche auf Inseln im Hafen lagen. DieStadt wurde sofort von den macedonischen Truppen in Besitz genommenund dem Boden gleich gemacht. Die Burgen, in welche Memnon undOrontobates sich begeben hatten, wollte Alexander nicht belagern, weilsie durch ihre Lage schon stark waren und ihre Einnahme nach der Zer-störung von Halikarnass von keiner Bedeutung mehr schien. Er Hess des-halb nur ein Truppencorps zur Beobachtung davor stehen. Dann entliesser alle verheiratheten Krieger für den Winter zu ihren Familien nachMacedonien und Griechenland, mit der Weisung, im folgenden Frühjahrzurückzukehren. Erbefahl, zu gleicher Zeit in Macedonien und Grie-chenland Truppen zu sammeln und sie zu ihm nach Kleinasien zuschicken, möglichst viel Fussvolk und Reiterei. Parmenio schickte er mitden Hetären, der thessalischen und verbündeten Reiterei und allen Fahr-zeugen nach Sardes. Den Streit der beiden karischen Herrscher, desPixodarus und seiner Schwester Ada. um die Herrschaft in Karien be-nutzend, trat er auf die Seite der Letzteren, welche das grössere Rechtauf ihrer Seite hatte, und erwarb sich dadurch, dass er ihr Karien über-gab, einen treuen Bundesgenossen an ihr. Er selbst ging mit den übrigenTruppen längs der Seeküste östlich nach Lycien und Pamphylien. AlleStädte dieser beiden Küstenprovinzen (darunter Phaseiis, südlich vondem heutigen Adalia, Pergä und Aspendus) mit Ausnahme einiger, welche