13. Die Feldzüge Alexander's d. Gr. 347
schlössen, ihnen Milet zu erhalten. In Folge dessen räumte er die Stadtund zog sich in die innere Festung zurück. Alexander schloss sie aufder Land- und Seeseite ein; und die persische Flotte wagte, obgleichsie aus 400 Schiffen bestand, nicht, irgend Etwas zum Entsatz von Miletzu unternehmen, und segelte nach dem Oap Mykale. Parmenio riethAlexander, sich in ein Gefecht mit ihr einzulassen. Alexander aberwollte es nicht, weil seine Flotte an Zahl der Schilfe schwächer war, alsdie persische, und die Ruderer auf ihr zum grössten Theil aus Griechenbestanden, denen Alexander nicht recht traute; die persische Flotte da-gegen war zum grössten Theil aus Schiffen der zur See erfahrenen undgewandten Cyprier und Phönizier zusammengesetzt. Der Erfolg derSchlacht w&re also zweifelhaft gewesen, — eine Niederlage der Mace-donier aber zur See konnte den ganzen Nutzen der ersten von ihm er-rungenen Erfolge wieder in Frage stellen, Griechenland erschüttern undes zum Aufstande reizen. Dahingegen mussten die Erfolge der Mace-donier auf dem Festlande und ihre Eroberung der Seeküsten von selbstdie Perser der Flotte und der Herrschaft zur See berauben. Inzwischenwar in die Mauern der festen Burg von Milet durch Mauerbrecher Breschegelegt worden, und Alexander führte durch dieselbe sein Heer zumSturm. Von den Macedoniern gedrängt, von der persischen Flotte ab-geschnitten, wurden die Milesier und die bei ihnen befindlichen griechi-schen Söldner theils niedergemacht, theils versuchten sie, auf Kähnensich zur See davon zu machen, wurden aber von der macedonischenFlotte aufgegriffen, — theils retteten sie sich auf eine nahe gelegeneInsel im Hafen, traten dann aber, eingeschlossen von macedonischenTruppen, in den Dienst Alexander's (300 Mann griechische Söldner). Diepersische Flotte versuchte vergeblich, die Flotte Alexander's ins offeneMeer herauszulocken und zu einer Schlacht zu zwingen, und segelte nunnach Samos ab, — worauf Alexander seine Flotte ganz nach Griechen-land entliess; denn, ausser allen eben angegebenen Gründen, hatte erauch nicht genug Geld, um sie zu Unterbalten, und wollte auch nicht,ohne ganz besonderen Nutzen, seine Kräfte theilen und sich einer Nie-derlage der einzelnen Theile aussetzen.
Danach rückte er gegen Halikarnass (heute Budrun), einer SeestadtKariens, wo sich die Perser und die in ihrem Dienst stehenden griechi-schen Miethstruppen in grosser Zahl gesammelt hatten, unter dem BefehlMemnon's, welchem Darius die obere Verwaltung von Kleinasien undden Oberbefehl über die Land- und Seemacht anvertraut hatte. Hali-karnass war von Alters her und sehr stark befestigt, ausserdem von Na-tur sehr stark; Memnon stellte die persischen Triremen im Hafen derStadt auf und beabsichtigte im Nothfall auch die auf denselben befind-lichen Ruderer zur Verteidigung der Stadt heranzuziehen.