346 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
verbreiten und den Griechen für immer die Lust zu benehmen, alsMiethstruppen in den Dienst der Perser zu treten.
Die Wirkung des Sieges am Granikus war eine ganz ungewöhnliche.Den Krieg mit einem gewaltigen Schlage eröffnend, der wie ein Donner-schlag gleich beim ersten Schritte Alexander's in Kleinasien mit vollerGewalt sich über Persien entlud, hatte dieser Sieg ebenso wichtigeFolgen, als seine Kesultate in der Schlacht selbst gross gewesen waren.Die ersten Kräfte zertrümmernd, die dem Alexander von den Persernentgegengestellt worden waren, vernichtete er, oder wenigstens schwächteer ganz ausserordentlich die Mittel zu deren fernerem Widerstände inKleinasien und unterwarf, man kann sagen ohne Schwertstreich, demAlexander dieses Land. Andere Truppen hatten die Perser hier nichtin Bereitschaft, die noch vorhandenen Streitkräfte, theils aus Persern,grösstentheils aus griechischen Miethlingen bestehend, waren in denGarnisonen zerstreut. — Die den Persern unterthänigen kleinasiatischenStädte und Stämme unterwarfen sich Alexander eine nach der anderen.Vor Allem unterwarfen sich unmittelbar nach dem Siege am Granikusdie nächsten mysischen und bithynischen (im heutigen nordwestlichenAnadoli), darunter auch die Stadt Dascylium (jetzt Diaskilli). UnterZurücklassung einer Anzahl Truppen in diesen Städten unter macedo-nischen Befehlshabern und mit dem Auftrage, dieselben Abgaben zu er-heben, welche dem Darius gezahlt wurden, — wodurch er sich die ersteGrundlage zu weiteren Operationen schuf und seinen Bücken sicherte —,zog Alexander mit seiner Hauptmacht nun nach Lydien gegen Sardes(heute Sart, östlich von Smyrna). Sardes und ganz Lydien unterwarfensich freiwillig. Er beliess den Einwohnern von Sardes und den Lydiernihre Gesetze und ihre Begierungsform, unter der Bedingung, dass sie ihmtreu sein sollten, legte eine Besatzung in die Burg zu Sardes und zogdann weiter nach Ephesus (nahe dem heutigen Ajaslik, südlich vonSmyrna). Die in Ephesus befindlichen griechischen Söldner entflohenzu Schiffe, und Alexander nahm Ephesus in Besitz und setzte dort diefrühere demokratische Begierungsform wieder ein. Von hier entsendeteer Parmenio und Antimachus, jeden mit einem Corps von 5000 MannFussvolk und 200 Hetären, in die Städte Ioniens und Aeoliens (an denKüsten des Archipelagus), um die Oligarchien in denselben umzustos-sen, die demokratische Verfassung und die früheren Gesetze wieder her-zustellen und die Abgaben an die Perser zu erlassen. Mit dem Best derTruppen rückte er vor Milet (nahe dem heutigen Dorfe Palatza, an derMündung des Mäander oder Menderes). Der Commandant von Milet,Hegesistratus, hatte Anfangs Alexander angeboten, ihm die Stadt zuübergeben, bald darauf aber, ermuthigt durch das Gerücht von heran-nahender Hülfe der Perser zu Wasser und zu Lande, hatte er sich ent-