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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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13. Die Feldzüge Alexanders d. Gr. 33]

festen und hochherzigen Charakter, strengste Massigkeit in den Genüssendes Lebens und eine unbegrenzte Ehrliebe. Die Erfolge und Siege Phi-lipp's erfüllten ihn mit Betrübniss : »Mein Vater sagte er wird mirnichts Grosses und Ruhmwürdiges zu thun übrig lassen!« Philipp gabihm die sorgfältigste Erziehung. Zuerst wurde Leonidas, ein Verwandterseiner Mutter und ein Mann von strengsten Sitten, sein Erzieher, und derAkarnanier Lysimachus sein Lehrer. Philipp selbst suchte mehr durchUeberzeugung, als durch Gewalt ihn zu leiten, da er bemerkte, dassAlexander hartnäckig der letzteren sich widersetzte, dagegen leicht sichder ersteren fügte. Bald indessen vertraute Philipp, als er sich überzeugte,dass die dem Alexander gegebenen Lehrer nicht die erforderliche Be-gabung besässen, die Erziehung desselben dem Aristoteles an , dem ge-lehrtesten und berühmtesten Philosophen jener Zeit. Als Aufenthaltsortfür Alexander während dieser Erziehungsjahre bestimmte er ihm daskönigliche Lustschloss Nymphäa nahe der Stadt Miessa (wie man meint,nicht weit von Aristoteles' Geburtsort Stagiraj. Hier, fern vom Hofe, inder ungestörten Stille der nymphäischen Gärten , studirte Alexander beiAristoteles die schönen Wissenschaften, Sittenlehre, Philosophie. Staats-kunst, kurz, alle Zweige des damaligen menschlichen Wissens in ihremganzen Umfange. Um ihm heroische Gefühle und Eigenschaften einzu-flössen und in ihm weiter zu entwickeln, Hess ihn Aristoteles die »Iliade«lesen, und Alexander fasste solche Vorliebe für sie. dass sie für immerseine Lieblingslectüre blieb. Er nannte sie den besten Vorrath undStoff für die Kriegskunst, führte sie immer und überall mit sich,ja sie lag sogar, nach des Onesikritus Versicherung, mit dem Schwerte zu-sammen, während er schlief, unter seinem Haupte. Unter allen Gegenstän-den menschlichen Wissens aber bemühte sich Aristoteles mit besondererSorgfalt seinen königlichen Zögling in die Geheimnisse der so schwie-rigen und hohen Kunst des Regierens einzuweihen und schrieb für ihnsogar eine besondere Abhandlung hierüber, die uns leider nicht erhaltenist. Leidenschaftlich war Alexander der Leetüre und dem Studium er-geben, und er eignete sich das ihm Vorgetragene und von ibm zu Er-lernende so leicht und rasch an, dass schon in einem Alter von 16 Jahrenihm Nichts fremd war und er Alles umfassende Kenntnisse besass. Geistund Herz bildend, vernachlässigte er gleichzeitig dennoch nicht die kör-perlichen Uebungen und vereinte mit erstaunlicher Kraft eine ungewöhn-liche Behendigkeit, Gewandtheit und Kühnheit. So bändigte er, nochein Knabe, das wilde Ross Bucephalus, auf das sich Niemand zu setzengetraute. Mit dem Jahre 340 begann seine politische und kriegerischeLaufbahn. In diesem Jahre nämlich hatte Philipp bei seinem Aufbruchnach Thracien ihm, dem 16jährigen Alexander, für die Zeit seiner Ab-wesenheit die Regierung von Macedonien übertragen. Die erste Kriegs-