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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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12. Die Macedonier. 329

fahrend, hat er nur ziemlich selten Belagerungen ausgeführt, und nur inden Fällen, wenn er sie nicht vermeiden konnte, dann aber auch mitAnspannung aller Kräfte und Erschöpfung aller damals bekannten Mittelder Belagerungskunst, oder indem er zu plötzlichen Ueberfällen, Kriegs-listen, Unterhandlungen, Bestechungen etc. seine Zuflucht nahm, umrascher in den Besitz der feindlichen Städte zu gelangen. Noch seltenerbegegnet man unter seinen Thaten langwierigen Einschliessungen vonStädten, in der Absicht, sie durch Hunger allein zur Uebergabe zuzwingen. Durch die Zusammensetzung, Organisation und die Eigen-schaften seines Heeres konnten seine Feldzüge sich weiter entfernen undausdehnen, als die der griechischen Heere. Aus denselben Gründenoperirte er auch zu jeder Jahreszeit ohne Unterschied, unter seinen Feld-zügen sind mehrere Winter-Campagnen, was bei den griechischenTruppen höchst selten vorkam. Wir fügen noch hinzu, dass Philipp esausgezeichnet verstand, die von ihm gemachten Eroberungen fest zu.halten und zu sichern, den Sieg auszunutzen, und sogar aus Unfällenselbst und Niederlagen noch Vortheile für sich herzuleiten. Mit Strengeseine Verbündeten und Tributären in Gehorsam erhaltend, und nichtselten den Verrath mit Grausamkeit strafend, zeigte er eine für die da-malige Zeit seltene Grossmuth und Herzensgüte gegen die Besiegten undGefangenen, und verstand es dadurch Dankbarkeit und Ergebenheit zuerwecken und Freunde und Verbündete zu gewinnen. Im Allgemeinensind seine Kriege, obgleich unvermeidlich mit Grausamkeit verbunden,dies doch in sehr viel geringerem Grade, als die früheren und gleich-zeitigen Kriege der Griechen.

Aus allen diesen Gründen kann und muss Philipp billig zu denbesten und bedeutendsten Feldherren des Alterthums gezählt werden.