328 n« Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Macedonien erweitern, stärken, heben, Griechenland seiner Machtunterwerfen und aus den Macedoniern und Griechen ein Volk, aus bei-den Staaten ein mächtiges Eeich unter monarchischer Regierung bilden,— das war das grosse politische Ziel, das Philipp während seiner ganzenRegierung mit wunderbarer Beharrlichkeit, Thätigkeit und Klugheit an-strebte. Als Hauptmittel zur Erreichung dieses Zieles diente ihm eineverschlagene und nicht selten hinterlistige, aber nichts destoweniger festeund höchst geschickte Politik. Durch Unterhandrungen, Schmeichelei,Betrug und Bestechung schläferte er seine Feinde ein, bewog sie zur Un-thätigkeit oder vermochte sie, seinen Absichten entsprechend zu ver-fahren, mischte sich vorsichtig und gewandt in ihre Angelegenheiten,reizte sie gegen einander auf, schwächte sie, während er sich selbst be-ständig verstärkte, bald gefügig nachgebend, bald entschieden handelnd,das für jeden Moment Vortheilhafteste richtig erkennend, alle günstigenUmstände benutzend, alle Schwierigkeiten und Hindernisse beseitigendund allmälig, aber unbeugsam das Ziel anstrebend, das er niemals ausden Augen verlor.
Und das, was er durch seine Politik so geschickt vorbereitet hatte,führte er nicht minder geschickt mit den Waffen durch. Im Besitz allerEigenschaften eines grossen Feldherrn, führte er seine kriegerischenPläne und Absichten ebenso mit Festigkeit des Willens und Geschicklich-keit aus, wie sie mit Verstand entworfen waren. Das Werkzeug zu ihrerAusführung war ein starkes, von ihm selbst trefflich organisirtes und ge-schultes , ihm vollkommen ergebenes und gehorsames, kriegerisches,tapferes und in seinen Sitten noch unverdorbenes Heer, über welches er,in seiner Person die politische, staatliche und militärische Macht ver-einigend und die Würde des Monarchen mit dem Beruf des Feldherrnzusammenfassend, unumschränkt und allein gebot. Kluge Vorsicht mitUnternehmungsgeist und Kühnheit paarend, entwickelte er, wo es not-wendig war, eine ungewöhnliche Energie, war unerschrocken im Kampfeund fest im Unglück. Nachdem er durch die Mittel der Politik sich dieErfolge vorbereitet und erleichtert hatte, handelte er meist mit deräussersten Entschiedenheit, mit concentrirten Kräften rasch und directdem Feinde entgegen gehend und ihn in offener Feldschlacht bekämpfend.Aber, von Natur listig und verschlagen, griff er oft zu den verschieden-sten Kriegslisten, so z. B. wenn sie mit der Anwendung der offenen Ge-walt zusammen wirken konnten und den Sieg in der Schlacht noch sichererund leichter machten, oder dann, wenn mit offener Gewalt allein derFeind nicht zu überwinden war. Den Sitten und dem Geiste seiner Zeitgemäss, schritt er zur Plünderung und Verwüstung des feindlichen Lan-des, als zu einem Mittel, den Feind zur Unterwerfung oder zur Schlachtzu zwingen. Vorzugsweise mit Schnelligkeit und Entschiedenheit ver-