12. Die Macedonier. 327
geld frei, gab ihnen sogar ihr Gepäck zurück, und schickte sogleichAlexander und Antipater ab, um unter günstigeren Bedingungen, alssie erwartet hatten, Frieden zu .schliessen. Gegen die Thebaner ver-fuhr er dagegen mit grosser Strenge, wie gegen treulose arglistigeRebellen. Die Anhänger der Demokratie bestrafte er aufs Härteste,die thebanischen Verbannten berief er zurück und gab ihnen ihre bür-gerlichen Rechte wieder, und nach Theben selbst legte er eine starkeBesatzung.
Im folgenden Jahre, 337, wurde"auf einem allgemeinen Reichstageder griechischen Staaten in Korinth der schon lange gewünschte und be-absichtigte allgemeine Krieg der Griechen gegen die Perser beschlossenund Philipp einstimmig zum Strafegen Griechenlands oder Oberfeldherrnüber die Streitkräfte der Griechen gewählt. Eine bis dahin beispiellose Ein-müthigkeit beseelte die Griechen. Mit grossem Eifer wurde ein starkes Heerausgerüstet, stärker als jemals Griechenland eines aufgestellt hatte, dennes bestand aus 220,000 Mann Fussvolk und fast 15,000 M. Reiterei. Schonhatte Philipp Parmenio mit einem starken Truppencorps nach Kleinasiengesandt, zum Schutze der griechischen Colouien, und er selbst schicktesich an, mit der Hauptmacht ihm nachzufolgen. Da brach grade zu dieserZeit eine Empörung in Hlvrien aus. und dies, sowie Zerwürfnisse inseiner eigenen Familie hielten Philipp in Griechenland zurück. Undkaum war ihm die Unterdrückung des illyrischen Aufstandes und dieWiederherstellung der Eintracht in seiner Familie gelungen, als plötzlicheines Mörders Hand seinem Leben ein Ende setzte (336 ; — und dasSchicksal nun die Ausführung seiner weiten gewaltigen Pläne seinem20jährigen Sohn und Nachfolger Alexander übertrug.
§.86.Allgemeiner Ueberbliek über Philipp als Feldherr und über
seine Kriege.
Die Kriege Philipp's bieten dem aufmerksamen Forscher unzweifel-haft einen interessanten Anblick und zeigen einen wichtigen Fortschrittin der Kunst der Kriegführung des Alterthums. Ermüdet durch die Er-forschung kleiner, complicirter und verwirrter Bürgerkriege der Griechen,verweilt das Auge des militärischen Beobachters gern bei dem erfrischen-den Bilde der Kriege, oder besser gesagt, deseinenun unterbroche-nen Krieges Philipp's, in welchem die Einheit des Zieles, derErwägung und Vorbereitung und der Ausführung sich voll-kommen deckte mit der Festigkeit eines unveränderlichenWillens und der ungewöhnlichen Kraft und Entschlossen-heit der That.