326 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander 's d. Gr.
Schaar in der rechten Flanke der Thebaner. Auf dem rechten Flügel desniacedonischen Heeres, den Athenern gegenüber conirnandirte Philippselber, — auf dem linken, den Thebanern gegenüber, vertraute er dem18jährigen Alexander die Führung an. dem er die erfahrensten niacedo-nischen Feldobersten als Rathgeber beigesellte. Auf beiden Seiten stan-den die Hülfstruppen in der Mitte und die Reiterei auf den Flanken.
Alexander stürzte sich zuerst rasch und kühn auf die Thebaner. Sieleisteten sehr hartnäckigen Widerstand, namentlich die heilige Schaar,wurden aber endlich umfasst (indem sich Alexander's Flügel nach rechtsausdehnte), durchbrochen, in Verwirrung gebracht und geworfen. Dieheilige Schaar, welche mit der grössten Tapferkeit bis zu allerletztkämpfte, lag bis auf den letzten Mann erschlagen auf dem Schlachtfelde.Inzwischen hatte die Reiterei des rechten macedonischen Flügels dieathenische angegriffen, war aber von dieser geworfen worden undwurde nun in grosser Unordnung verfolgt. Philipp , der sich mit einemTheil von dem rechten Flügel seiner Phalanx auf nahe gelegenen Höhenzur Rechten aufgestellt hatte. rückte in fester Ordnung mit diesen Ab-theilungen gegen die athenische Reiterei vor, warf und verjagte sie ohneMühe und mit grossem Verluste für dieselbe. Nun fasste der rechteFlügel der macedonischen Phalanx, indem er sich mehr nach rechts zog,das athenische Fussvolk in der Flanke, und das Centrum der macedo-nischen Phalanx griff in der Front die Thebaner und Athener an, welcheschon in beiden Flanken umfasst waren. Das ganze verbündete Heerwurde in die grösste Verwirrung gebracht, geworfen und floh in Unord-nung zu seinem Lager, verfolgt von der macedonischen Reiterei. Vonden Hülfstruppen der Thebaner und Athener, welche an der Schlachtfast gar keinen Theil genommen hatten, waren nur "Wenige gefallen oderin Gefangenschaft gerathen. Die Athener hatten ungefähr 1Ü00 MannTodte und 2000 Mann Gefangene, die Thebaner bei Weitem mehr anTodten als an Gefangenen.
So verlief die Schlacht bei Chäronea, sehr merkwürdig durch die ge-schickten Dispositionen Philipp's. durch die neue und vervollkommneteAnwendung der schrägen Schlachtordnung, sowie durch die ausgezeich-neten Thaten der macedonischen Phalanx und ihren Triumph über die athe-nische und thebanische. Noch wichtiger war der Sieg bei Chäronea in po-litischer Beziehung: denn dieser Tag, wie sich fast einstimmig De-mosthenes, Diodor. Strabo und Pausanias ausdrücken, war für ganzGriechenland der letzte seiner ruhmvollen Herrschaft,seiner uralten Freiheit.
Philipp hatte einen vollständigen und entscheidenden Sieg errungenund befahl, die Besiegten zu schonen, gestattete den Athenern ihre ge-fallenen-Krieger zu bestatten, liess die gefangenen Athener ohne Löse-