322 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Während dieser ganzen Zeit sahen die Athener den Erfolgen derPolitik und der Waffen Philipp's unthätig zu, theils aus Ohnmacht, theilsaus Sorglosigkeit. Im Jahre 343 aher, sich gleichsam aus dem Schlummeremporraffend, beschlossen sie sich gegen Philipp zu erheben und thätigund energisch gegen ihn Krieg zu führen. Der athenische Feldherr Dio-peithes wurde mit einer starken athenischen Flotte und starkem Heerein den Hellespont entsandt. Die Bewohner der griechischen Städte imthracischen Chersones stärkend und ermuthigend, fiel Diopeithes in dasbenachbarte macedonische Gebiet ein, plünderte und verheerte es, undkehrte mit reicher Beute und einer grossen Zahl Gefangener zurück. DieAthener schickten noch eine zweite Flotte an die Küsten von Thessalien,reizten ganz Griechenland gegen Philipp auf und bewogen Euböa vonihm abzufallen und sich wieder mit den Athenern zu verbünden. Philippwandte sich gegen Euböa, um es aufs Neue zu unterjochen, und hatteschon einige Städte dieser Insel in seinen Besitz gebracht, — aber dervon den Athenern gegen ihn entsendete Phocion nöthigte ihn durch seinegeschickten Operationen dazu, seiner Hoffnung auf Unterwerfung derInsel zu entsagen (342).
Das Misslingen seiner Absichten gegen Euböa machte Philipp durchneue Eroberungen in Thracien und besonders durch die Unterjochungder griechischen Colonien an den Ufern des Hellesponts und der Propontiswieder gut, wozu die Einfälle des Diopeithes ihm einen hinlänglichenVorwand boten. Nachdem er gewaltige Küstungen gemacht hatte, er-öffnete er im Frühjahr 340 den Feldzug mit 30,000 Mann auserlesenerTruppen durch die Belagerung von Perinthus. Er wendete hierbei alledamals bekannten Mittel der Belagerungskunst an. Aber die Einwohner,unterstützt durch die feste und für die Vertheidigung sehr günstigeterrassenförmige Lage der Stadt und verstärkt durch die aus Byzanz an-gelangten persischen und griechischen Hülfstrupperi, vertheidigten sichebenso geschickt als tapfer und ausdauernd, vereitelten alle Anstrengun-gen Philipp's und zwangen ihn endlich dazu, die Belagerung in eine blosseEinschliessung zu verwandeln. Philipp bestimmte nun einen Theil seinesHeeres hierzu, den andern detachirte er um Selymbria und Byzanz zu be-lagern. Aber die thracischen Städte wehrten sich tapfer gegen Philipp,indem sie sich gegenseitig thatkräftig unterstützten und mit Truppen undWaffen von ihren Verbündeten in Griechenland und auf den Inseln desägäischen Meeres versorgt wurden. Er schlug indessen den Diopeithes,der vom thracischen Chersones aus verheerende Einfälle in das macedo-nische Gebiet machte. Bald darauf nahm die macedonische Flotte 20Schiffe mit Lebensmitteln fort, welche von den Athenern nach Selymbriageschickt waren. Philipp befahl diese Schiffe zurück zu senden, in derHoffnung hierdurch sich den Athenern gefällig zu erweisen und sie da-