12. Die Macedonier. 319
Verwandten und Nachfolger des Alexander von Pherä und erlangte alsZeichen ihrer Dankbarkeit. dass sie ihm verschiedene Landeseinkiinfteabtraten.
§. 84.Der Krieg von 355—336 im Allgemeinen. Feldzüge in Thraeien undThessalien, Krieg mit den Athenern und erster Feldzug in Griechen-land (355—346).
Im Jahre 355, dem sechsten seiner Regierung. erwies sich Philippdurch Niederwerfung der in Illyrien, Päonien und Thraeien ausgebroche-nen Aufstände schon als mächtiger Herrscher. Die Grenzen Macedonienswaren erweitert worden, nach Westen bis an den Lychnitischen See,nach Osten bis zum Fluss Nestus, Päonien war schon eine Provinz vonMacedonien, Thessalien tributpflichtig, und endlich war Philipp auch imBesitz der reichen handeltreibenden Stadt Amphipolis, des vorzüglichenSeehafens bei dieser Stadt, eines zahlreichen trefflich orgauisirten undgeschulten Heeres und eines gefüllten Schatzes.
Von dieser Zeit an verfolgte Philipp mit seiner Politik und durchseine Kriege ein dreifaches Ziel: 1 1 gegen Westen hin — die Erweite-rung der Grenzen Macedoniens durch die Eroberung Illyriens bis zu denKüsten des adriatischen Meeres; — 2) nach Osten hin — die Unterwer-fung der griechischen Colonien in Macedonien und besonders in Thraeien.und den Besitz des Hellespont, der Propontis und des thracischen Bos-porus , dieses wichtigen Verbindungsweges zwischen Griechenland undden fruchtbaren Ufern des Pontus Euxinus. welche Griechenland mitKorn versorgten. — und endlich 3, das Wichtigste, — die vollkommeneUnterjochung Thessaliens und die Besitznahme derThore Griechenlands,— der Thermopylen —, um immer die Möglichkeit zu haben, in dasInnere dieses Landes einzudringen und durch Einmischung in dessenAngelegenheiten schliesslich die Herrschaft über dasselbe zu erlangen.
Demzufolge wurden nun Illyrien, besonders Thraeien, Thessalien,und endlich das eigentliche Griechenland der Hauptschauplatz der kriege-rischen Thaten Philipp's während der nächsten 20'Jahre (355—336 ; .Dorthin wandte er abwechselnd seine Waffen von Macedonien, wie voneinem Centrum aus, und einmal dehnten sich seine Erfolge sogar überdas Hämusgebirge fort bis zur Donau aus.
So zogen im Jahre 353 die Bürgerkriege, welche in Thraeien aus-gebrochen waren, gleichzeitig der Athener und Philipp's Aufmerksamkeitauf sich. Während die Ersteren ihre Macht im thracischen Chersones be-festigten, belagerte Philipp Methone in der macedonischen Provinz Pieria.nahm sie nach hartnäckiger Gegenwehr in Besitz, gewährte den Ein-wohnern freien Abzug, zerstörte aber die Stadt selbst und vertheilte ihr