310 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
Felde anzuwenden, ziemlich selten übrigens, nur in einigen besonderenFällen, z. B. zum Schutze von Deflleen und Flussufern etc. In dengrossen Feldschlachten scheinen sie solche Wurfmaschinen nicht ge-braucht zu haben.
Dem Alexander wird auch zugeschrieben, dass er gegen sein Lebens-ende hin zuerst Elephanten in das maeedonische Heer eingeführt habe,deren Verwendung im Orient später so allgemein wurde. In der Schlachtam Hydaspes gegen den indischen König Porus und in dem indischenFeldzuge überhaupt gelangte Alexander in den Besitz von vielen solchenThieren, die er nachher mit sich nach Persien nahm. Aber er verwendetesie nur zum Transport der Bagage, in den Feldschlachten kamen sie erstnach seinem Tode allmälig in Anwendung.
§.81.Zusammensetzung, Streitkräfte, Eintheilung, Aufstellung und Kampf-art der Truppen. Maeedonisehe Phalanx und maeedonische Taktik.
Diodor von Sicilien und alle römischen Schriftsteller, welche die Ge-schichte Griechenlands geschrieben haben, versichern, 4ass Philipp imersten Jahre seiner Kegierung die Phalanx zuerst erfunden undaufgestellt habe, und zwar mit 6000 Mann schweren Fussvolks, diein einer Aufstellung von 16 Gliedern Tiefe kämpften. Aber das ist durch-aus nicht richtig: Philipp erfand sie nicht, sondern er vermehrte undvervollkommnete nur die griechische Phalanx, welche durch ihn, nichtvor 359, in Macedonien eingeführt wurde. Nach Aelianus belief sich dieursprüngliche Stärke der macedonischen Phalanx nebst der zu ihr ge-hörenden mittleren und leichten Infanterie und der Reiterei auf 6500Mann, wurde aber durch Alexander d. Gr. verdoppelt, d. h. auf 13,000Mann gebracht ebenfalls mit der mittleren und leichten Infanterie undder Reiterei). Aber aus Arrian und den übrigen Historikern ist ersicht-lich, dass bei dem Einmarsch Alexander's d. G. aus Macedonien in Klein-asien die maeedonische Phalanx aus 12,000, bei Arbela schon aus 16,400Hopliten bestand, ohne in beiden Fällen mittleres und leichtes Fussvolkund Reiterei dazu zu rechnen. Die Vervollkommnung der Phalanx durchPhilipp bestand darin, dass er in derselben schwere und leichte Infanterieund Cavallerie zu einem ungetrennten Armeebestande verband und das-^relative Verhältniss derselben so bestimmte, dass die Reiterei überhaupt74, das mittlere Fussvolk aber l / 2 des schweren Fussvolks betrug.
Auf diese Weise erhielt die Bezeichnung.Phalanx bei den Mace-doniern noch eine weitere Bedeutung, als sie bis dabin bei den Griechengehabt hatte: denn bei den Ersteren bedeutete sie die reguläre maeedo-nische Armee, und bei den Letzteren speciell nur einen in dieser Aufstel-lung fechtenden Theil des schweren Fussvolks. Alexander d. Gr. behielt