11. Krieg zwischen Sparta u. Theben. Agesilaus, Pelopidas u. Epaminondas. 303
schien der Sieg sich schon vollständig auf die Seite der Thebaner zuneigen, als in diesem selben Augenblick Epaminondas. der persönlichan der Spitze des thebanischen Vierecks kämpfte. von einem Wurfspiesstödtlich in die Brust getroffen wurde. Seines geliebten Führers beraubt,betrübt und niedergeschlagen über seinen Verlust. gerieth das thebani-sche Heer . wenn nicht in Verwirrung. so doch in Bestürzung und gingzwar nicht zurück, setzte aber auch seinen Angriff nicht weiter fort. Vonbeiden Seiten trat eine Pause der Unentschlossenheit und Unthätigkeitein, und dann gingen beide Heere zu gleicher Zeit nach entgegengesetz-ten Richtungen zurück. beide sich den Sieg zusprechend. — das theba-nische allerdings mit dem grösseren Recht. Denn hier war nur die Rei-terei des rechten Flügels zurückgeworfen worden und hatte dann dochihre ursprüngliche Stelle in der Schlachtordnung behauptet. Im sparta-nischen Heere dagegen war nur das Fussvolk und die Reiterei der Athe-ner und die Cavallerie der Eleer auf ihrem Platze stehen geblieben, alleübrigen Truppen waren geschlagen. Bei alledem war der Sieg der The-baner in der Schlacht bei Mantinea, welche für sie so glücklich begonnenhatte, und die durch die vortrefflichen taktischen Anordnungen des Epa-minondas so beachtenswerth ist, weder an sich, noch in seinen Folgenein entscheidender. Bald nachher setzte ein allgemeiner Friede allerGriechen, in welchem auch die Unabhängigkeit Messeniens bestätigtwurde (362), dem Kriege ein Ende; aber nicht der Sieg der Thebaner beiMantinea war die Ursache hiervor, sondern die allgemeine totale Er-schöpfung der Kräfte, namentlich der beiden bedeutendsten kriegführen-den Staaten. Sparta und Theben, welche durch einen 16jährigen Krieg,und ausserdem — Sparta durch den Verlust Messene's, — Theben durchden des Pelopidas und Epaminondas geschwächt waren.
§.78.Allgemeiner Ueberbliek über das Kriegswesen der Griechen und denStand der Kriegskunst im Allgemeinen, und der Kunst der Krieg-führung im Besonderen bei den Griechen, vom Einfall der Perser inGriechenland bis zur Zeit Philipp's von Macedonien.
Der Einfall der Perser in Griechenland hatte die Griechen zur Ent-wicklung aller ihrer Kraft und Thätigkeit zur Aufrechthaltung ihrerUnabhängigkeit veranlasst und war so die erste und hauptsächlichsteUrsache zur raschen Vervollkommnung der griechischen Kriegskunst ge-worden. Sie verdankten ihre Erfolge über die Perser vorzugsweise derregelrechten Ausbildung und Kampfweise ihrer Truppen und verwandtenauf die weitere Entwicklung und Vervollkommnung beider eine besondereAufmerksamkeit und Sorgfalt. Die Folge davon war, dass alle Zweigeder Kriegskunst. namentlich der Taktik in Griechenland allmälig eine