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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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304 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.

hohe Stufe der Entwicklung und Vollkommenheit erlangten, und dassdie Kriegskunst durch die Griechen zuerst zu der Höhe einer Wissen-schaft erhohen wurde. Durch sorgfältige Untersuchungen und Studiumvervollkommneten sie dieselbe und stellten Regeln dafür auf, aus denenim Laufe der Zeit sich allmälig die erste Theorie oder Wissenschaftder Kriegskunst bildete.

Unter allen Völkern Griechenlands gebührt der Ruhm, den grösstenAntheil an der Vervollkommnung der griechischen Kriegskunst zu haben,den Athenern, Spartanern und gegen das Ende hin den Thebanern. Sieübertreffen darin alle übrigen Völker Griechenlands und sind in Bezugauf dieselbe von entscheidendem Einfluss.

Die eigentliche Kunst der Kriegführung ging bei den Griechen indieser Periode denselben allmäligen Gang, der in den übrigen Zweigender Kriegskunst bemerkbar ist. Bis zum peloponnesischen Kriege hinnoch sehr wenig entwickelt, nahm sie in diesem Kriege, und mehr nochnach demselben, einen raschen Aufschwung. Die häufigen Kriege,welche die Griechen vom Ende des peloponnesischen Krieges bis zuPhilipp von Macedonien ausserhalb der Grenzen Griechenlands zu fuhrenhatten, und besonders die hohe Begabung und Kunst der drei hervor-ragendsten griechischen Feldherren dieser Zeit; Xenophon, Agesilaus undEpaminondas, waren die Ursache, dass die Kunst der Kriegführung beiden Griechen im Vergleich gegen sonst ausserordentlich an Umfang, Be-deutung und Wichtigkeit zugenommen hatte.

Bei alledem hatten, allgemein betrachtet, die von den Griecheninnerhalb der Grenzen ihres Landes geführten Kriege, und dem ent-sprechend auch ihre Kunst der Kriegführung nur sehr geringe Ausdehnungund Verhältnisse, und den Charakter des kleinen Krieges und blosserEinfälle. Die Gründe hierfür, wie auch der Charakter der inneren Bür-gerkriege wurden schon früher, in der allgemeinen Uebersicht über denpeloponnesischen Krieg dargelegt (8. Kapitel, §. 60).

Was die militärischen Einrichtungen und Institutionen der Griechenanbelangt, so nehmen sie einen andern Gang, als die griechische Kriegs-kunst. Während sich die Letztere fortwährend entwickelte und vervoll-kommnete, änderten sich jene, zugleich mit dem moralischen Verfall desgriechischen Volkes und Heeres, mehr und mehr bezüglich des in ihnenlebenden Geistes und ihres Charakters und geriethen in Verfall, wennsie auch mehr oder weniger noch die alten Formen äusserlich beibe-hielten.

Indem wir hiermit die Kriegsgeschichte der glänzendsten Periodeder Griechen abschliessen, wenden wir uns nun zu dem Volke, welches,von ihnen die Kriegskunst sich aneignend, in ihr seine Lehrmeister selbstbald übertraf.