11, Krieg zwischen Sparta u. Theben. Agesilaus, Pelopidas vi. Epaminondas. 295
§.74.Krieg in Thessalien. — Erster und zweiter Feldzug des Pelopidasin Thessalien (368—367).Während dies sich im Peloponnes zutrug, hatten sich die Thebanerauch nach Norden hin in die Angelegenheiten Thessaliens gemischt.Alexander von Pherä, ein Verwandter des ermordeten Jason, hatte dieThessalier grausam bedrückt, und diese flehten bei Theben um Schutzund Hülfe. Die thebanische Regierung ergriff mit Freuden die Gelegen-heit, ihren Einfluss auch über die volkreichen und mächtigen, aberschwer zu lenkenden Städte Thessaliens auszudehnen, und sandte Pelo-pidas mit einem Heere und mit der Vollmacht »so zu handeln, wiees der Vortheil Thebens erheische« in diese Provinz (368). Pelo-pidas drang bis Larissa vor, vertrieb mit Hülfe der Bevölkerung Alexan-ders Besatzungstruppen aus dieser Stadt, eröffnete dann Unterhandlun-gen mit allen Städten Thessaliens, stellte sie gegen Alexander hin sicher,wandte sich nach Macedonien, trat als Vermittler zwischen dem KönigAlexander von Macedonien und seinem Bruder Ptolemäus auf, schlossmit dem Ersteren ein Bündniss, erhielt als Geissei von ihm dessenjüngeren noch kleinen Bruder Philipp 'später Vater Alexander's d. Gr.)und kehrte dann, nachdem er den Einfluss Thebens in Thessalien undMacedonien befestigt hatte, nach Theben zurück.
Diodor erzählt, dass im folgenden Jahr (367) Pelopidas einen zweitenZug nach Thessalien unternahm, der durch seine eigene Sorglosigkeitunglücklich für ihn endigte. Von hochherzigem Eifer für Beendigung desKriegselends und für Anknüpfung vortheilhafter Unterhandlungen fürTheben getrieben, erschien er unbewaffnet und nur mit einer kleinenZahl seiner persönlichen Begleitung zu einer Berathung mit Alexandervon Pherä, — und wurde von diesem ergriffen und gefangen gesetzt.Dieses treulose und hinterlistige Verfahren brachte Theben in Wuth undforderte Rache. Aber die Böotarchen, welche nach Thessalien geschicktund tief in sein Gebiet vorgedrungen waren, hatten dort von Seiten derThessalier nicht die erwartete Unterstützung gefunden und sahen sich ge-nöthigt vor dem zahlreichen Heere des Alexander von Pherä sich zurück-zuziehen , da sie nur 8000 Mann Fussvolk und 600 Reiter stark waren.Auf den thessalischen Ebenen erreichte sie aber die vorzügliche thessa-lische Reiterei und fügte ihnen ziemlich starken Verlust zu. Da erwähltedas thebanische Heer einstimmig Epaminondas zu seinem Anführer, dergrade in einer niederen Commandostelle im Heer diente, und seiner Kunstund seinen vortrefflichen Anordnungen verdankte es seine Errettung vomgänzlichen Verderben. Ausserdem gelang es den Unterhandlungen, welcheEpaminondas mit Waffengewalt unterstützend führte, Pelopidas aus derGefangenschaft zu befreien, wenn auch nicht ohne Opfer '367—366).